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V. Uebersehungen des Homeros.
wurde, zeigen ein Verlangen des Papstes, das wir kaum anders alsein krankhaftes nennen können. Auch Filelfo sollte vorn mailändischenHofe losgebeten werden und um sorgenfrei zu arbeiten, in Rom einschönes und eingerichtetes Haus nebst einem ergiebigen Landgut alsGeschenk erhalten. Ferner wollte der Papst bei einer beliebigen Bank10,()00 Zecchinen niederlegen, die Filelfo zufallen sollten, sobald erdie beiden Gedichte des Homeros vollendet vorlegte. Der Abschlußmit Filelso sollte eben erfolgen, als der Papst das Zeitliche segneteund seinen schönsten litterarischen Traum mit sich ins Grab nahm.So leicht Filelfo die Verse auch wurden, mit dem römischen Lust-schloß fielen auch seine Gedanken einer Homeros-Uebersetzung zu-sammen ').
Aber zur Ruhe kam das Verlangen eines lateinischen Homerosauch nach Nicolaus' Tode nicht, ein Beweis, daß der Unterricht imGriechischen mit dieser Sehnsucht noch immer nicht gleichen Schritthielt. Ein Schüler Valla's, Francesco d'Arezzo, vervollständigtedessen prosaische Jlias und fügte dann auch die Odyssee hinzu, auf-gefordert von Papst Pius llft. Der junge Römer Niccolo dellaBalle übertrug auch wieder in leichten Versen etwa 9 Bücher derJliasft. Sein Beispiel wieder regte Janus Pannonius an,, denGnarino-Schüler, der als Bischof von Fünfkirchen seinen Pegasuslange nicht mehr bestiegen, sich noch einmal an einem Stücke ausdem 6. Buche der Jlias zu versuchen, das jener bei Seite gelassen ft.
9 Der Plan des Papstes in Filelfo's Briefe an Lodrisio Crivelli voml. August 1405. Nosmiui Vita ei! üilslko M II p. 95 bespricht die Frage, obdas Veuetiis 1516 gedruckte Buch Ilomeri Ock^se-r — per üraueisoum Vilelpbume Orrrseo traüuotrr wirklich von ihm oder seinem Sohne Mario verfaßt oder über-haupt untergeschoben sei. Sie wird wohl gelöst durch das von duill. ürrvrslilelauAss ä'liist. litt. 1. I p. 156 mitgetheilte Gedicht, in dem Mario Filelfo seineSchriften aufzahlt:
Hesioäigrrs über, guo Isrtur orrZo ckeorum,
Oo §raeeo »upsr e-rriuiua uo8tra sudit.
Orpbsus irl guouäam, uourium kiuitus Ilomsrus.
Es handelt sich übrigens nur um eine Uebersetzung in Prosa.
9 Valrlsu a. 0. 8. 387—390. So erklärt sich der Irrthum, wenn die Odysseein Handschriften bald Carlo, bald auch Lionardo von Arezzo zugeschrieben wirdwie bei lllarruelislli 8oritt. ä'Itaüa Vsl. I ü. II p. 1005. Vol. II N. IV p. 2212.
9 Des Druckes Koma« 1474 gedenkt Oickot Xläs Arrurios p. XXXVII.Näheres über ihn bei Verbleu a. 0. 8.376.
9 üoem. st Opusc. '1'. I p. 231 und die Widmung 1. II p. 74.