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Die Wiederbelebung des classischen Alterthums oder das erste Jahrhundert des Humanismus / von Georg Voigt
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V. Humanismus und Mönchthum.

an der römischen Curie gegen die conventualen Franciscaner führten,verwickelt worden. Papst Martin V hatte ihm nämlich den Auftraggegeben, in der Kanzlei gewisse Decrete aufzusetzen, nach welchen biszur Entscheidung eines Generalcapite'ls die Observanten in ihremVordringen gehemmt und beschränkt werden sollten. Nur eine kleineZahl von ihnen sollte inzwischen predigen dürfen, die Errichtungneuer Häuser für ihre Familie ganz unterbleiben. Mag sein, daßPoggio diesmal seine Amtspflicht mit besonderem Eifer erfüllte. DieObservanten aber hielten ihn für den Anstifter jener Maßregeln undbegannen ihn durch Befchuldigüngen zu reizen. Poggio vergalt esihnen. Zunächst machte er sofort Anzeige, als die Observanten tr'otz'dem Deeret ein neues Haus ihrer Familie gründen wollten und zwarauf einem Grundstücke, welches ihnen der Florentiner Carlo Ricasoliin der Nähe von Terranuova, Poggio's Geburtsflecken, und der Villa,die Poggio dort besaß, geschenkt hatte. Diese Mönche, meinte Poggiospöttisch, thäten besser, Wälder und Wüsten aufzusuchen aN so lieb-liche Gegenden, in denen ihre Tugend allzusehr in Gefahr sei').Er kannte die Wege der curialen Verwaltung. Den Observantenwurde geboten, den Bau sofort einzustellen, ja die schon errichtetenMauern wieder zu brechen. Sie schrieen ihn dafür als einen Feind'des christlichen Glaubens und Verfolger der Gläubigen aus. Seitdemblieb Poggio bis in sein hohes Alter ein unversöhnlicher Feind desOrdens. Er wußte das Treiben dieser Mönche in drastischen Zügenund mit treffender Lebenswahrheit auszumalen. Oft war er gegangen,um zu seiner Belustigung, wie er sagt, Männer wie Bernardino oderAlberto da Sarteano anzuhören, von denen die Kirche den einenheilig, den andern selig gesprochen hat. Zur Zeit Eugen's IV hatteer auch persönlich die Netze gefühlt, mit denen die Observanten denPapst und seine Curie umsponnen. Ihrem Einflüsse schrieb er diegeringe Gunst zu, in der er bei diesem Papste stand. Dem aufge-sammelten Groll schaffte er dann unter Nicolaus alsbald imDia-loge gegen die Heuchler" Lust, in welchem er Marsuppini, dessenAntipathie gegen alles geistliche Wesen notorisch war, und den Be-nediktiner Agliotti als Redner einführte. Hier machte ein alterCnriale seine Enthüllungen, der über vierzig Jahre lang in der

i) Sein Brief an Traoersari in dessen Kpistt. XXIV, 8, an Niccoli iblä. XXV,41 und e^ist. IV, 3. 4. l'onolli. VIbsrti 8s.rtliiansii.sl8 vpist. 20. 21und Poggio's Antwort vom 21. Februar (1430).