Umfange des Wortes streng sittlichen Vaters mehr der Liebe desSohneS zum Angenehmen und zum Luxus als zum Schönen-entgegentritt.
Vielleicht'wirkte schon die Erscheinung dieses Repräsentantender preußischen Zucht auf Friedrich abstoßend. Später wenig-stens war sein Anblick geradezu fürchterlich. *) Die Farbe seinesGesichtes schraffirte 1739 in Roth, Blau, Gelb und Grün. Dieganze Figur war kurz und gedrängt, und der dicke Kopf stecktetief in den Schultern. Nicht ganz mit Recht galt dieser Königfür geizig, der den berliner Baumeistern auf die Finger sah unddie von ihm aufgenommenen Emigranten,nicht vorher durch denBischof von Salzburg ausplündern lassen wollte. Aber seine fürPreußen so Vortheilhafte militairische Neigung behielt doch etwashäßliches und abnormes. Die größten Summen verschlang derMilitairkirchhof, wo er seine Riesen begrub, die in ihrer schlechtenund engen Kleidung meist durch Schwindsucht und Blutbrechenschnell weggerafft wurden.**) Mohren mit einem türkischenBunde aus dem Kopfe schritten in militairischem Aufzuge vordem Riesenregimente des Königs einher. Selbst die Sitten derStabsoffiziere des Königs waren seltsam. An der Mittagstafelbei vortrefflichem Rheinweine zeigten sie sich als „wahre Wein-schläuche, die nach altdeutscher Art rasch mit den vollen Humpenfertig" zu werden verstanden. Nach dem Mittagsessen begannensie wohl einen Ball, auf welchem zwar nicht Riesen mit Riesen,§ber Stabsoffiziere mit Stabsoffizieren oder doch jedenfalls Män-ner mit Männern tanzten.***)
Solche Geschmacklosigkeit mußte den Kronprinzen zurück-stoßen. Empfand er doch das Poetische in der Lebensweise desHofes nicht einmal da, wo es wirklich vorhanden war. Das
*) Bielefeld, Friedrich der Große und sein Hof. Breslau, Max.I. S. 28.
") Bielefeld I. S. 24. 2S.
*") Vergl. Bielefeld I. S. 26—38.