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Siegespredigt auf die Schlacht bei Leuthen. Nach einer dama-ligen Sitte trug er ein seidenes Band an Hut oder Weste zumAndenken an die Schlacht. So trugen auch nach den erstenSiegen im Jahre 1813 die Patrioten zu Wippra am Harze nochblaue Bänder. Mit der Zeit scheint die Führerschaft der Pa-trioten von Sack auf Ramler, von der Kirche auf die Literaturübergegangen zu sein. Als 1759 Viele aus Berlin flohen, ver-sammelten sich die berliner Patrioten auf dem Paradeplatze. Am20. Februar 1758 nennt Ramler sich mit Sulzer, Krause undDr. Jäschke „vier Preußen, die ihres Gleichen nicht haben."Hofrath Jäschke*) war Ramlers Arzt. Der Patriot Krause,dem Ramler ein Hochzeitsgedicht widmete, war Advokat. Nachgroßen Siegen schlug er in „Donner-Oden" die Pauke sehr gut.Auch redigirte er die Compositionen in Lessings Sammlungder Lieder des preußischen Grenadiers, die zum Theil vonGraun herrührten. ' Hieraus ergibt sich, daß das sogenanntevolksthümliche Lied nicht im göttinger Musenalmanache mit sei-nen Kunstbeilagen seinen ersten Aufschwung genommen hat, son-dern daß auch vorzugsweise nach dieser Seite hin die preußischeDichterschule dis Vorläuferin des Hainbundes war. Schon vordem siebenjährigen Kriege waren aus dem Kreise Ramlers dieOden mit Melodien**), eine dem göttinger Musenalmanachganz ähnliche, aber vorzugsweise musikalische Unternehmung,hervorgegangen. Es läßt sich nachweisen, daß die anakreontischePoesie aus König Friedrichs Zeit, z. B. .
Den flüchtigen Tagen
Wehrt keine Gewalt
jetzt die älteste Grundlage unserer sogenannten beliebten Lie-der sind. Ehe von Gleim der gewagte Versuch gemacht wurde,den anakreontisch-horazischen Ton in den Liedern des Grena-
*) Ein andermal genannt Jeschken.
**) Nachweisungen über deren Verfasser und Componisten im zweitenBande der Briefe Ramlers an Gleim.