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Friedrich der Grosse und die deutsche Literatur : Mit Benutzung handschriftlicher Quellen / Von Heinrich Pröhle
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diers mit dem Volkstone zu verschmelzen, fiel schon die sittlicheWeltanschauung dieser anakreontischen Poesie mit der des eroti-schen Volksliedes der Deutschen zusammen. Es war von dergrößten Wichtigkeit, daß in einem Augenblicke, da sich die Ortho-doxie mit einer einseitigen Verstandesaufkläruug zur völligenUnterdrückung der Volkspoesie verband, diese gelehrten Anakreon-tiker, von kunstreichen Tonsetzern unterstützt, wenigstens für im-mer die heitere Lebensauffassung des protestantischen Volks-charakters in Norddeutschland sicher zu stellen und zu sixirensuchten. Wenn dann der siebenjährige Krieg die Kunst-Poesiezuerst in größerem Umfange ins Volk einführte, so war diesweniger das Verdienst Gleims als das der berliner PatriotenKrause, Graun und Ramler, deren Kreis fast wie ein musi-kalisches Kränzchen dasteht und schon deshalb verhältnißmäßigmehr für das volksthümliche Lied thun konnte als der Hainbund.Da Graun von 1735 bis zu seinem Tode (1759) in FriedrichsNähe lebte, so ist die Anregung für neuere volksthümliche Lieder-compositionen gewissermaßen mit von dem musikalischen HofeFriedrichs des Großen ausgegangen.

Treten wir nun an diepoetische Drechselbank" des lang-sam arbeitenden Ramler selbst heran. Das Jahr 1760 warfür seine politische Poesie bei weitem das wichtigste. Gleimsagte, daß er ohne Kleist und Lessing stets ein scherzhafter Lieder-dichter geblieben wäre. Aber der gewaltige Lessing sollte auchan Ramlerserster Ode von der heroischen Art" schuld sein.Während Gleim das volksthümliche Element in die Kunstpoesiehineintrug, führte Ramler die auf der Nachahmung der Alten be-ruhende Seite der Nationalliteratur ihrer Vollendung etwas näher.

*) S. in Gleims Werken I, S. 115 die bekannte Aufforderungzum Tanze:

Unschuldige JugendDir sei es bewußt:

Nur Feinde der TugendSind Feinde der Lust.