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Ramlers früheres Gedicht auf Friedrichs Regierungsantritthatte mit seinen späteren politischen Gesängen noch nichts ge-mein gehabt. Es hatte keine antike Ode, sondern vielmehr Gün-thers Gedicht auf den Frieden von Passarowitz*) nachgeahmt.In Ramlers Oden aus dem siebenjährigen Kriege finden wirzunächst das Metrum so weit entwickelt als es innerhalb despreußischen Dichterkreises überhaupt ausgebildet werden konnte.Wagt er sich an die antiken Versmaße, so steht er eben so hochüber Lange als tief unter Voß. Ueber die Quantität der Sil-ben mußte er sich sogar von Gleim, der auch später nicht um-sonst mit Klopstock verkehrte, zurechtweisen lassen. Man glaubttrotz Ramlers Verbindung mit den Musikern in seinen politi-schen Strophen einen Mangel an feinerem Gehör zu bemerken.Dennoch schrieb ihm Gleim selbst, im Elysium höre man solcheHarmonien wie Ramlers Lied der Nymphe Persantis. MitBezug auf den Inhalt der politischen Gedichte Ramlers schreibtihm Gleim: „In der Geschichte unserer Zeit sind noch vieleWunder, die Sie Göttern und Göttinnen in den Mund legenkönnen." Ganz im Geschmacke seiner Zeit hob Ramler in sei-nen Oden den im besten Sinne des Wortes abenteuerlichenCharakter, gleichsam das Wunderbare, an Friedrichs Thatenhervor. Der Odenstil der deutschen Literatur wurde dadurchallerdings noch mehr gehoben. Der preußische Grenadier hattedurch die unmittelbare Schilderung der Gegenwart Anstoß er-regt. Wenn nun auch Ramler's heidnische Erhabenheit ebenso-wenig als die christliche Erhabenheit eines Klopstock immer zu-gleich mit der Poesie zusammenfiel, so hat doch Ramler ausverschiedenen Gründen durch seine verblümte politische Poesiegegen das Ende des siebenjährigen Krieges immerhin ein ge-müthliches Bedürfniß der höheren und mehr französisch gebilde-ten Stände befriedigt.
1760 verfaßte Ramler ein Gedicht Izum Geburtstage des
) 2t. Lum 1716.