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Ludwig Häusser's Geschichte des Zeitalters der Reformation : 1517-1648 / Herausgegeben von Wilhelm Oncken
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Die Landung und die ersten Erfolge.

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ihre Wildheit gegen wehrlose Bürger und Bauern giebt der an-derer gemeiner Söldner Nichts nach.

Darum nimmt der Krieg von 1630, trotz seiner Kürze,einen so eigenthümlich großen Verlauf und wächst bald über denCharakter eines bloßen Einbruchs hinaus. Gustav Adolf wird eineleitende Persönlichkeit, Schweden eine gebietende Großmacht inEuropa, das hängt an seiner Persönlichkeit, seinem Heere und dermoralischen Gewalt beider über Protestanten und Katholiken.Selbst der Papst beugte sich vor dieser Heldennatur und bei sei-nem Tode sagte er:ein Held, ein vollkommener Mann, demNichts zur Vollkommenheit fehlte als der rechte Glaube."

Von diesem Geiste war sonst nirgend Etwas zu finden. Werwollte sich vermessen einen Waldstein, Tilly oder Pappenheimeinen katholischen Helden zu nennen?

Die Landung und die ersten Erfolge Juni bis December

1630.

Die Lage, in welche Gustav Adolf hineintrat, ist gekennzeich-net durch unsere früheren Betrachtungen.

Die ligistische Macht war seit zwei Jahren auf der Neigeund der Kaiser hatte das Seine dazu beigetragen, sie zu schwächen,er selbst hatte sich die unermeßliche Verlegenheit des Restitutions-ediktes geschaffen, die protestantischen Reichsstände dadurch geradezuin das gegnerische Lager hineingetrieben und nun obendrein Wald-stein entlassen.

Insofern war die Lage günstiger als je. Wäre er dreiJahre früher eingebrochen, als Waldstein siegreich an der Ostseestand, das Edikt noch nicht gegeben war, die Ligisten noch starkim Felde standen, so wäre der Kampf ein verzweifelter geworden.

Er war aber auch jetzt nicht leicht und die Anfänge des gan-zen Unternehmens hatten so viel Abenteuerliches, daß jedem weni-ger Beherzten bange dabei werden mußte. Vor Allem war inganz Schweden außer dem König und seinen ungeduldigen Offi-zieren kein Mensch für den ganzen Krieg. Das Land athmeteeben auf von den Leiden und Opfern einer 18 jährigen Kriegszeitund sollte nun in einen neuen unabsehbaren Weltkrieg verflochtenwerden. Der Reichsrath wollte sich nicht überzeugen lassen, daß