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Ludwig Häusser's Geschichte des Zeitalters der Reformation : 1517-1648 / Herausgegeben von Wilhelm Oncken
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Neunter Abschnitt. Z 35.

man durchaus, statt einer wachsamen Defensive gegen den Kaiser,eine weitanssehende, tausend Gefahren ausgesetzte Offensive ergrei-fen müsse, die Stände erklärten, es sei kein Geld vorhanden undquälten den König mit ihren spröden Ablehnungen bis unmittelbarvor der Abfahrt.

Dänemark zeigte nicht übel Lust, im Rücken des verhaßtenKönigs in's Land zu fallen, von Frankreich, England, Hollandkamen, ehe irgend ein Erfolg vorlag, höchstens glatte Worte, abergewiß kein Geld und von den deutschen Fürsten, denen man hel-fen wollte, war nicht das Mindeste zu erwarten.

Der Herzog von Pommern, dem Gustav Adolf wie ein Er-löser zu erscheinen hoffte, schickte ihm, als er eben zu Schiffe stieg,eine Gesandtschaft, um ihn flehentlich zu bitten, er möge zu Hausebleiben, oder jedenfalls in Pommern nicht landen, denn das Landsei schon nahezu zu Grunde gerichtet und könne eine neue Umer-ziehung mit Kriegsvolk nicht ertragen.

Am 24. Juni 1630, gerade 100 Jahre nach Ueberreichungder Augsburger Consession, erschien Gustav Adolf vor der InselUsedom und begann sofort die Ausschiffung seines Heeres undseiner Geschütze.

Ein Manifest ging vor ihm her, das alle seine Beschwerdengegen den Kaiser Ferdinand aufzählte und erklärte, der Königkomme zum Schutze der allgemeinen Freiheit, die durch Habsburgbedroht sei, und namentlich der deutschen Kurfürsten, die ebenjetzt in Regensburg dem Kaiser ihr Ultimatum gestellt hatten.

Das war gewiß nicht unklug gegriffen, aber entschieden wardamit zunächst noch Nichts. Wenn jetzt ein Heer von 2030,000Mann in Deutschland einbrach, so war das eine stattliche Macht,aber das deutsche Reich wollte doch erst erobert sein. Wie nun,trenn die Empfindung rege ward: Hinaus mit dem Fremden! Werwollte das tadeln? Wenn die Deutschen, die sich bisher in denHaaren gelegen, eben da der Fremde kam, Frieden mit einanderschloffen, um die Schmach auswärtiger Einmischung abzuwehren,wer konnte darin etwas Anderes sehen als eine That verständigerNothwehr? Es sind damals hier und dort solche Gedanken wachgeworden. Man fragte sich denn doch, was soll aus uns werden,wenn es üblich wird, daß die Fremden sich bei uns einnisten undin unsere heimischen Händel eindrängen? Aber das Gefühl war