Besetzung Stettins, Vertrag mit Herzog Bogeslav. 551
nicht mächtig genug, um die Parteien zu einigen und dem Frem-den eine geschlossene Nation entgegenzustellen.
Spröde, mißtrauisch, verschlossen war man darum doch gegenihn. Nur im äußersten Fall wollten die Protestanten sich ihmanschließen. Sachsens und Brandenburgs bisherige Haltung odervielmehr Haltungslosigkeit gegenüber dem Kaiser floß lediglich ausSchwäche, aber dieselbe Schwäche und Furchtsamkeit hielt sie auchab, für den Schweden Etwas zu wagen. Die übrigen protestan-tischen Elemente waren vereinzelt. Der Landgraf von Hessen-Kasselwar weit weg and konnte keine Hilfe geben, weil er sie selbernöthig hatte. Die süddeutschen Reichsstädte sahen ihm mit Sehn-sucht entgegen, aber sie konnten aus so großer Entfernung Nichtsfür ihn thun, ihr Anschluß war nur dann möglich, wenn ihngroße Siege nach Süddeutschland brachten.
Der König war mithin auf deutschem Boden vollständig iso-lirt und nicht bloß das. Seine Rückzugslinie war ganz unsicher,die weite Entfernung von der Heimath, die lauernde FeindseligkeitDänemarks und Polens, die nur auf den günstigen Augenblick desUeberfalls warteten, mußten zu einer tödtlichen Katastrophe führe»,wenn er nur einen einzigen halbwegs entscheidenden Fehlschlagerfuhr.
Eine verwegene Kühnheit gehörte dazu, unter solchen Um-ständen die Invasion überhaupt zu unternehmen und die bedäch-tigste Vorsicht, um, nachdem sie einmal geschehen war, nicht gleichzu Anfang zu scheitern.
Gustav Adolf war seiner Aufgabe ebenbürtig, bei alleinwaghalsigen Muthe seines Wesens verleugnet er nicht einen Augen-blick die vorausschauende Klugheit, die in seiner Lage nöthig war.Er geht den sicheren Weg eines Mannes, der jede Lage und jedesHilfsmittel genau erwägend, wohl weiß, daß er nie einen Schrittrückwärts thun darf, wohl aber in kleinen Schritten und wennauch auf Umwegen langsam vorwärts schreitend, Boden zu gewin-nen weiß.
Die kaiserliche Armee, die ihm unter Conti in Pommern undMecklenburg gegenüberstand, mochte an Zahl der seinigen gewach-sen, wenn nicht überlegen sein. Sie war im Besitze aller Stel-lungen, die ein mehrjähriger glücklicher Krieg erstritten hatte, abersie entbehrte des großen Führers, der sie geschaffen und zusam-