Buch 
Ludwig Häusser's Geschichte des Zeitalters der Reformation : 1517-1648 / Herausgegeben von Wilhelm Oncken
Entstehung
Seite
553
JPEG-Download
 

Vertreibung der Kaiserlichen auS Pommern.

553

walt immer vorwärts drängte, bis er in der Mitte Deutschlandsangekommen war. Von dieser Taktik hing das Schicksal seinesganzen Unternehmens ab, nicht einen Fehltritt durfte er dabeithun und daraus erklärt sich auch die vielbesprochene Frage, wa-rum er Magdeburg nicht entsetzt hat, so lange es noch zu ent-setzen war.

Magdeburg war gewiß ein wichtiger Platz, als die Haupt-stadt Norddeutschlands, und der blühendste Sitz des Protestantis-mus. Aber so wichtig ihm sein Schicksal sein mußte, er konntenicht seine Existenz, die Arbeit seines Lebens, die Früchte dreiergroßer Kriege, sein Heer, das er in 19 Jahren geschaffen, preis-geben, indem er sich zwischen zwei Feuer brachte und mit in eineKatastrophe verwickelte, die von Seiten des Machthabers derStadt selbst in sträflicher Unbesonnenheit heraufbeschworen wor-den war.

Im Sommer 1630 geschah Nichts als ein schrittweisesVorrücken in Norddeutschland. Es dauert Monate lang, bis erallmälig ganz Pommern in seiner Gewalt und jede einzelne Stadterobert und wieder Monate, bis er in Brandenburg festen Fußgefaßt hat.

So schwierig war die Lage, daß sich nachher sein eigenerSchwager in Brandenburg nur zwangsweise ein paar Plätze ab-nehmen ließ.

Am 24. December geschah dann ein entscheidender Schlagwider den Kern der Kaiserlichen, die von Hunger und Kälte ge-peinigt zwischen Greifenhagen und Garz lagen. Ganz Pommernmit Ausnahme von Colberg und Greifswald und ein Theil der Neu-mark war jetzt in seiner Gewalt, aber Bundesgenossen hatte er bisjetzt immer noch nur an Franz von Sachsen-Lauenburg, den ver-triebenen Mecklenburgern, dem Administrator Christian Wilhelmvon Magdeburg und Bogeslav von Pommern, mit Ausnahme desLetzteren, lauter Fürsten ohne Land.

Den mühevollsten Theil des Feldzugs hatte er jetzt bewältigtund sonnt hatte sich vor aller Welt Augen gezeigt, daß der schwe-dische Krieg nicht eine Wiederholung des unseligen Dänenkriegeswar, der in jeder Weise ungeschickt und unglücklich geführt wor-den war. Hier war zugreifende Entschlossenheit und kluge Vor-sicht wunderbar gepaart.