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Ludwig Häusser's Geschichte des Zeitalters der Reformation : 1517-1648 / Herausgegeben von Wilhelm Oncken
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Anhang,

grün. Es kam ein schrecklich Donnerwetter, als wenn Him-mel und Erde sich aufthun wollte. Euer Frau Mutter wurdebang, aber sie konnte doch das Lachen nicht halten, wie sie dieGrimassen sah, so die Furcht meiner Hofmeisterin, der JungferKolbin, zu weg gebracht."

Auch Schwetzingen hält sie in lieber Erinnerung, obwohl dortunerhört viel Schnacken seind."

Aber in diese süßen Jugenderinnerungen spielt dann doch derbittere Schmerz herein über das Unglück, welches das Land ihrerVater heimgesucht.Ich glaube", schreibt sie in ihren letzten Le-bensjahren,wenn ich Mannheim, Schwetzingen oder Heidelbergwieder sehen sollte, daß ich es nicht würde ausstehen können undvor Thränen vergehen müßte. Denn wie alle Unglück dort ge-schehen, bin ich länger als 6 Monate gewesen, daß ich sobald ichdie Augen zugethan, um zu schlafen, habe ich die Oerter inBrand gesehen, bin mit Schrecken aufgefahren und hab längerals eine Stund geweint, daß ich geschluchzt hab."

Ihr Pfälzer Patriotismus erstreckt sich selbst bis auf dieKüche.

Die neuen Genüsse einer fortgeschrittenen Kultur- Kaffee,Thee, Chocolade haben ihren Beifall nie gewinnen können.Ich kann weder Thee, Kaffee noch Chocolade vertragen Theekommt mir vor wie Heu, Chocolade thut mir weh im Magen,was ich aber wohl essen möchte, wäre eine gut Kalteschale odereine gute Biersupp .... das kann man aber hier nicht haben;man hat auch hier keinen braunen Kohl, noch gut Sauerkrautdies Alles esset ich herzlich gern."

Ja, die Sehnsucht nach diesem letzten vaterländischen Genußist so groß, daß sie sich ein Kochrecept über Sauerkraut mit Hechtvon der Raugrafin schicken läßt.

Oder es steigen ihr mitten in der rafsinirten KochkunstFrankreichs nach guten deutschen Schinken und Knackwürsten Be-gehren auf;dies und ein guter Krautsalat mit Speck, diese deli-caten Speisen sind mein Sach."

Ein andermal:Ich bin in Allem, auch im Essen undTrinken noch ganz deutsch, wie ich all mein Leben lang gewesen;man kaun hier keine guten Pfannenkuchen machen; Milch und