Einleitung.
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Die beiden Schwestern Amalia Elisabeths (Amelie Elisabeth,auch Ameliese genannt) und Louise sind die Halbschwestern der Eli-sabeth Charlotte, Töchter des Pfalzgrafen Karl Ludwig und derLouise von Degenfeld. Wie ihre Mutter, so erhielten auch sie denTitel Raugriifiunen. Beide blieben unvermählt, mußten, da ihnenihre rechte Heimat verschlossen war, sich in der Welt herumstoßenlassen und führten ein mühseliges Leben. Die jüngere, Amelie,ist 20. März/ I. April 1663 geboren und 13. Juli 1703 gestorben.Sie tritt in unsrem Briefwechsel weniger hervor« Die ältere da-gegen, Louise, geb. 15/25. Jan. 1661 und gestorben 6. Febr. 1733,spielt in der folgenden Sammlung eine Hauptrolle; die Briefe derletzten sechs Jahre sind fast ausschließlich an sie gerichtet. Sielebte bis 1688 in Heidelberg, von da an in Frankfurt, im Hauseihres Schwagers, des Herzogs von Schomberg. Oft unterbrachsie den dortigen Aufenthalt durch langjährige Reisen, als derenZiel besonders gern Hannover gewählt wurde. Sie war dort1698 zur Oberhofmeisterin ernannt worden, ohne daß ihr deswegendie Pflicht auferlegt wurde, in Hannover ständig zu leben. Louiseentwickelte eine sehr große Thätigkeit. Sie führte mit größterGewissenhaftigkeit eine sehr fleißige Korrespondenz mit ihren Ver-wandten, sie sorgte mit liebevollster Aufmerksamkeit für ein ihr zu-gefallenes Dörfchen (Stebbach in der Nähe von Eppingen), ver-waltete im Auftrage ihres schon genannten Schwagers seine inDeutschland zerstreuten Güter. Sie war Vermittlerin und Schieds-richters in den streitigen Angelegenheiten verwandter und befreun-deter Familien. Streng religiös gesinnt, beteiligte sie sich an denreligiösen Streitfragen der Zeit, errichtete ein deutsch-reformiertesBethaus in Hannover, sorgte für einen Privatgottesdienst derReformierten in Frankfurt und war häufig, wenn auch meist ohneErfolg, bemüht, das Schicksal ihrer Glaubensgenossen in Frank-reich zu verbessern. Sie liebte die Wahrheit und Gerechtigkeit,war streng gegen sich, milde gegen andre, bescheiden und demütig,ihrer um wenige Jahre älteren Halbschwester, Elisabeth Charlotte,in treuester Verehrung ergeben.
Die Briefe 3 und 4 (S. 18—24) find an Karl Ludwig(Carllutz) von Degenfeld, den Halbbruder Elisabeths, gerichtet.Er ist 1658 geboren und 1688 als Generalmajor gestorben. Erwar 1679 nach Frankreich gekommen, um ein französisches Regi-ment zu erlangen, hatte aber unverrichteter Sache wieder heim-kehren müssen.
Die bisher durch den Druck bekannt gemachten Briefe sindals historische Quelle ersten Rangs geschätzt und daher auch vonden Franzosen, so wenig sich dieselben in dieser Schilderung ge-schmeichelt fühlen konnten, in mehrfachen Auszügen und Ueber-setzungen verbreitet. Ehemals waren diese Uebersetznngen verboten,wie P. L. Courier meldet, der sich freilich an den verbotenenFrüchten sehr ergötzt; in neuerer Zeit, in denen sie nach den au-thentischen Rankeschen und Hollandschen Texten veranstaltet wur-