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Briefe der Elisabeth Charlotte von Orléans 1673 bis 1715 / Ausgewählt, mit Einleitung und Anmerkungen versehen von Ludwig Geiger
Entstehung
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Einleitung.

den, sind sie durchaus unbeanstandet geblieben. Auch in Frank-reich werden diese Schilderungen als ein lebensvolles, wahresBild einer merkwürdigen Zeit betrachtet, entworfen von einer Frau,die, mit den herrschenden Personen genau bekannt, niemals etwasUnwahres berichten wollte, die, bei aller Abneigung einer starken,leidenschaftlichen Natur gegen das, was ihr verderbt und schlechterschien, doch warm für Frankreich empfand, namentlich in denZeiten seines Niedergangs. Für uns aber bleiben die Briefe vorallem deshalb ein so anmutiges und erfreuliches Denkmal, weil sieuns das Bild einer Frau vorführen, die charakterstark und lebens-lustig, humorvoll und sittenrein sich erhielt, trotz aller Widerwär-tigkeiten, die auf sie einstürmten, aller Schlechtigkeiten und Uusitt-lichkeiten, deren sie Zeuge sein mußte, und die, trotz fünfzigjähri-gen Aufenthalts in einem fremden Lande, urdeutsch war und blieb.

Berlin, Oktober 1883.

Ludwig Geiger.