16 Briefe der Elisabeth Charlotte von Orläans.
verdrießliche Visiten, die mir mein Fall, so ich vom Pferde ge-than, auf den Hals gezogen, welche Historie ich E. 8. doch er-zählen muß. Wir hatten schon einen Hasen gefangen und eineElster geflogen; derowegen ritten wir allgemach Schritt vorSchritt, mich beuchte, daß mein Rock nicht recht unter mir war,drum hielt ich stille und bückte mich, um mich recht zu setzen,und in dem Augenblick, daß ich in der Positur bin, steht einHase auf, welchem alle nachjagen, und mein Pferd, welches dieandern jagen sieht, will auch hernach und springt auf eine Seite,also daß ich, die schon halb aus dem Sattel war, fand michdurch diesen Sprung ganz auf einer Seite, ergriff in aller Eileden Sattelknopf und behielt den Fuß im Steigbügel, in Hoff-nung, mich wieder in den Sattel zu heben, aber indem ich denSattelknopf ergreife, entfällt mir der Zügel; ich rief einen dervor mir war, daß er mein Pferd aufhalten sollte, dieser aberkam mit einer allzu großen Furie auf mich los und machte alsomeinem Pferd bange, welches aber nicht faul war, sondern sichgar bald auf eine andre Seite wendete und durchging. Ich aberhielt mich fest, so lange ich merkte und sahe, daß die andernPferde nahe bei mir waren, sobald ich mich aber allein sah, ließich mich allgemach los und auf die grüne Blouse fallen, und diesso glücklich abgegangen, daß ich mir Gott sei Dank nicht dasgeringste Wehe gethan habe. E. 8., die unsren König so sehradmirieren, daß er mir sowohl in meinen Kindsnöten beigestan-den, werden ihn dann noch auch wohl lieb haben in dieser Ren-kontre, denn er war selber der erste bei mir, so bleich wie derTod, und ob ich ihm schon versicherte, daß ich mir gar keinWehe gethan und nicht aus den Kopf gefallen wäre, so hat erdoch ^eine Ruhe gehabt, bis er mir selber den Kopf auf allenSeiten visitiert und endlich gefunden, daß ich ihm wahr gesagthatte, hat mich selber hier in meine Kammer geführt und nochetliche Zeit bei mir geblieben, um zu sehen, ob ich aufs wenigstenicht taumlich wäre, ist auch nicht ins alte Schloß, bis daß ichihm nochmals versichert, daß ich im geringsten nichts empfinde.Ich muß sagen, daß der König mir noch täglich mehr Gnadeerweist, denn er spricht mir überall zu, wo er mich antrifft, undläßt mich jetzt alle Samstag holen, um mit ihm
') Fleischmahlzeit unmittelbar nach Mitternacht, nach einemeben vergangenen Fastentage.