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Briefe der Elisabeth Charlotte von Orléans 1673 bis 1715 / Ausgewählt, mit Einleitung und Anmerkungen versehen von Ludwig Geiger
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Briefs der Elisabeth Charlotte von OrlöanS. 27

lassen, so Sie wissen, so mir solches aufbinden wollen, und ihnenernstlich zu sagen, daß I. M. es gar übel nehmen, daß man soauf mich lügt, und daß, wenn sie so keck würden sein, zu unter-fangen, mich mit Monsieur zu brouillieren, so wollten E. M. sichmeiner annehmen. Daraus sagte der König, wenn ich dies thuewie Ihr sagt, so kann ich Euch nie bei meinem Bruder dienen,denn sie haben resolviert morgen oder übermorgen zu meinemBruder zu schicken und die Gourdon soll das Wort führen, undsie haben sie deswegen schon ganz an sich gewöhnt, also wenn ichsie holen ließe, wie Ihr sagt, würden sie nicht wsugriirsii, es anmeinem Bruder zu sagen, und nichtsdestoweniger die Lüge nichtverschweigen, darum würde mein Bruder mir hernach vorwerfen,daß ich mich mit Euch gegen ihn beratschlagt habe. Ich sagte,wenn die Sache wahr wäre, daß ich in der That eine GalanterieHütte, dann könnte Monsieur sich über E. M. beschweren wie Siesagen, nun aber die Sache erlogen und inventiert ist, thun E. M.Monsieur nur selber Dienst, ihm aus diesem Embarras zu helfen.Der König sagte, je mehr ich über die Sache nachdenke, je wenigersehe ich daß es vonnöten ist, daß ich davon spreche, denn meinBruder kennt Euch wohl und seit den zehn Jahren sehen ja alleMenschen wohl, daß niemand weniger kokett ist als Ihr, dero-wegen so mögen auch Eure Feinde sagen was sie wollen, es kannkeinen großen Effekt thun. Damit schwieg der König still, diesaber lag mir sehr an, denn ich weiß leider nur gar zu wohl,was Macht meine Feinde über Monsieurs Esprit haben, ich wardrei oder vier Tage sehr melancholisch, und wußte nicht wie ichdie Sache recht anfangen sollte, dachte aber in meinem Sinn, dasbeste sei, meines Weges hinzugehen und gar nicht mehr mit diesemMenschen zu reden und wofern mich Monsieur ferner Plagte, umzu wissen warum ich so traurig sei, ihm die Sache deutsch herauszu sagen, außer, daß ich solches vom König wüßte, denn derKönig hatte mir absolut befohlen, ihn nicht zu nennen. EtlicheTage hernach fragte mich Monsieur wieder, warum ich so melan-cholisch wäre, endlich sag>e ich ihm alles, nämlich, daß man michgewarnt hätte, daß meine Feinde so bei ihm wären, die Gourdonzu ihm schicken wollten, ihm alles zu sagen (wie ich E. L. schongesagt, daß ich es vom König vernommen). Monsieur stellte sichgar fremd von der Sache und sagte, daß es unmöglich wäre, daßjemand das Vorhaben hätte, und daß man mir nur den Avis