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Briefe der Elisabeth Charlotte von Orléans 1673 bis 1715 / Ausgewählt, mit Einleitung und Anmerkungen versehen von Ludwig Geiger
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23 Briefe der Elisabeth Charlotte von Orleans.

gegeben hätte, um seinen Freunden böse Offizien bei mir zu leisten,daß, wenn ich nur das hätte, sv mich quälte, so könnte ich wohlohne Sorgen sein. Denn er glaube nicht, daß ich jemals kokettsein könnte, also sollte ich nur in Ruhe sein, denn wenn schonjemand so iinpucisnt sein könnte, es sei Gourdon oder wer eswolle, ihm dergleichen Avise zu geben, so wisse er gar wohl, wasdarauf zu antworten sei, deswegen solle ich nur in keinen Sorgensein. Ich meinte, daß was er mir sagte von Herzen ginge, gabmich also ganz wieder zur Ruhe und erzählte alles dem Königmit Freuden, welcher mir sagte, daß er glaube, daß meine Feindeihm solches nur hätten zu wissen thun lassen, um ein Eklat zumachen, und daß er sich's gar dorr Zrä wisse, mir davon ge-sprochen zu haben, damit alles zu einem guten Ende ausschlagenmöge. Einen Monat nach diesem Handel sagt mir jemand von

meinen Freunden, daß meine Feinde toll und rasend wären, daß

ihr Anschlag nicht angegangen wäre, hätten derowegen einen Ratgehalten, worin Mr. d'Esfiat geschlossen, daß weil ich gar nichtmehr mit dem Chev. de Sinsanct spreche, so müßte man jetzt dasGeschrei ausgehen machen, als wenn ich ein heimlich Kommersmit ihm hätte, und daß Theobon ') unsre Briefe trüge, denn auchTheobon mich gegen sie aufreizte (denn sie wußten nicht, daß derKönig mich gewarnt hatte, sondern meinte, es wäre Theobou,)aber sagten sie damit, daß das Stück desto besser angehen mag,so muß weder Chev. de Lorraine noch d'Esfiat, noch Mad. deGraucey nichts von Madame an Monsieur sagen, sondern solchesals Zeitungen von Paris durch die dritte und vierte Hand sagenlassen. Ich war sehr embarrassiert, als ich dies hörte, denn ich

dachte, sage ich dies an Monsieur und daß sie es denn gleich

wieder gewahr werden, denn Monsieur kann nicht schweigen, sowerden sie das vornehmen lassen und sagen, daß ich aus Bosheitund Haß ihnen dies aufgebunden und weil Monsieur mir so hochversprochen, daß er keinen Glauben zustellen wolle, in alles, wasman ihm auf diesen Text von mir sagen könnte, indem er ganzvon mir versichert sei, also habe ich zu meinem Unglück still da-von geschwiegen. Also sind noch ein paar Monat verflossen,Monsieur sagte mir nichts und ließ sich nichts merken, bis daß

') Eine Kammerfrau, die, wie dieser selbe Brief erzählt, durchdie Zutrügen der Feinde von El. Chart, getrennt wurde. Vgl.unten.