42
Briefe der Elisabeth Charlotte von Orlsans.
komme, bis daß ich meinen Nebenchristen und Nächsten Plage,werden E. L. mich noch lang nicht darin lesen.
An die Kurfürstin Sophie.
(8) St. Cloud, 14. April 1688.
Die gute Frau von Harling und ihr Mann Haben be-gehrt, daß ich ihnen ihren Neveu schicken möge, um mit seinenBrüdern zu teilen, weil ihr Vater vergangenes Jahr gestorbenist. Diese gute und sichere Gelegenheit habe ich nicht versäumenwollen, E. L. ganz mein Herz zu entdecken, und alles zu sagenwas mich plagt, so ich der ordinären Post nicht vertrauen darf.Muß meiner Herzlieben um tonte also bekennen, daß ich eine Zeither gar unlustig bin, ob ich mich dessen zwar so wenig merkenlasse, als es mir immer möglich ist. Man hat mir vertraut dierechte Ursache, weswegen der König den Ritter von Lothringenund den Marquis d'Effiat so wohl traktiert, nämlich weil sie ihmversprochen haben, daß sie Monsieur persuadieren wollen, daß erden König ganz unterthänig bitten solle, der Montespan ihreKinder mit den meinen zu verheiraten, als nämlich meine Tochteran den hinkenden Duc du Maine und meinen Sohn mit Made-moiselle de Blois. Die Maintenon ist in diesem Fall ganz fürdie Montespan, weil sie diese Bastarde erzogen und den hinkendenBuben so lieb hat, als ihr eigen Kind. Denn sie hat mirBriefe von ihm gewiesen, so er ihr von einer Kammer in dieandre geschrieben, worin er sie versichert, daß er sie viel lieberhabe und mehr respektiere als Mme. de Montespan, weil sie ihnallezeit mit Ursache ausfilze, jene aber nur durch Caprice, daßer ihr also mehr ergeben sei als Mme. de Montespan. Also istdiese hierin ganz für die Heirat. Ich habe es durch Weiber er-fahren, die die Montespan und die Maintenon selber davon habenreden hören. Nun denken E. L., wie mir dabei zu Mute mußsein, daß ich meine Tochter allein sollte so gar übel versorgt sehen,da doch ihre Schwestern *) so wohl verheiratet sind. Sollte dochder Duc du Maine kein Kind von doppeltem Ehebruch sein, undein rechtmäßiger Prinz, so möchte ich ihn doch nicht zum Schwie-gersohn, noch seine Schwester zur Schwiegertochter haben, denn er
') D. h. die Töchter aus der ersten Ehe des HerzogS vonOrlsans.