44 Briefe der Elisabeth Charlotte von Orlsans.
es leicht zu raten ist. Ja, sollte der König selber mich zu stun-nirs» mir von der Sache reden, so werde ich ihm selber deutschherausbekennen, daß mir die Sache gar nicht ansteht, welches ihndann ohne Zweifel sehr verdrießen wird, mit welchem Respekt ichauch diesen Anschlag drehen mag. Also mag ich mich nur ge-faßt halten, daß mir Hinfür allerhand widerwärtiges zufallen wird,welches denn gar keine angenehme Situation ist. Ich bitte E. L.tausendmal um Vergebung, daß ich E. L. mit solchen langweiligenund widerlichen Diskursen sntrk-tsvirs, allein, meine Herzliebe wo,iniits, weil E. L. mir sogar gnädig sind und kein Mensch hierist, dem ich genug vertrauen darf, um mein Herzeleid zu klagen,so habe ich gedacht, daß E. L. es nicht in Ungnaden aufnehmenwürden, daß ich durch diese sogar sichere Gelegenheit mein Herzerleichtere. Denn Harling ist mir gar getreu, wird gewiß diesenBrief in keine andre Hände als E. L. ihre überantworten, ichbitte E. L., sagen doch an niemand nichts hiervon, als an Onkelund die gute Frau von Harling und antworten mir auch nichtshierauf durch die Post, sondern nur durch meinen Harling, wenner wieder zurückkommt. Was soll ich E. L. nun noch weiteressagen? Nichts Gutes weiß ich, denn der Hof wird jetzt durch diecontinuirlicheu Heucheleien so langweilig, daß man schier nicht mehrdauern kann und unterdessen, daß man allen Menschen Mark undBein ausmergelt, um sie (wie man sagt) zur Tugend und Gottes-furcht zu bringen, wählt der König die lasterhaftesten Leute vonder Welt, um stets damit umzugehen, als nämlich den Lothringerund den Effiat. Ich habe nicht erfahren können, ob der König dieMaintenon geheiratet hat oder nicht, viele sagen, daß sie seine Frausei, und daß der Erzbischof von Paris sie zusammengegeben habe,im Beisein des Königs Beichtvater und der Maintenon Bruder,andre aber sagen, es sei nicht wahr, und man kann unmöglicherfahren, was daran ist. Was aber gar gewiß ist, ist, daß derKönig nie für keine Maitresse die Passion gehabt hat, so er fürdiese hat, und es ist etwas wunderliches zu sehen, wenn sie bei-sammen sind, wenn sie an einem Ort ist, kann er keine Viertel-stunde da sein, ohne sie ins Ohr zu sprechen und heimlich mitihr zu reden, ob er zwar den ganzen Tag bei ihr gewesen ist.Sie ist ein böser Teufel, so von jedermann sehr gesucht und ge-fürchtet wird, aber wenig beliebt ist. Der guten Mad. In clau-xkilis, welche wohl die beste Prinzeß von der Welt ist, und ein