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Briefe der Elisabeth Charlotte von Orléans 1673 bis 1715 / Ausgewählt, mit Einleitung und Anmerkungen versehen von Ludwig Geiger
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46 Briefe der Elisabeth Charlotte von Orlsans.

es sei in Glück oder Unglück, Leben undsTod, so werde ich dochbis an dies letzte verbleiben E. L.

Elisabeth Charlotte.

An die Raugräfin Louise.

(9) Paris, 14. Mai 1695.

Herzliebe Louise, wie ich vor ein paar Stunden eben von derHirschjagd komme, habe ich Euren lieben Brief vom 20./30. Aprilempfangen, will gleich hiermit darauf antworten; denn ich fürchte,daß ich morgen nicht die Zeit dazu haben werde. LIa taute istgottlob nun so wohl, daß I. L. eine Reise mit wenig Leuten nachBerlin thun werden. Gott gebe nur, daß es wohl ablausenmöge und daß die gräuliche Bewegung, in Relais so viel Meilenzu fahren, kein Fieber wieder Herbeibringen möge! Diese Weltist nicht geschaffen ohne Sorgen zu leben; ein jeder hat die seine,und wenn die erste Jugend vorbei, findet man wenig Vergnügenhernach; jedoch so bin ich Euch, liebe Louise, sehr für Eure gutenWünsche verobligiert. Ich wollte, daß ein guter, langer und be-ständiger Frieden gemacht würde und daß dadurch die Gardenvom König verhindert würden, Uebles zu thun und zu empfangen;aber es hat leider noch schlecht Ansehen dazu. Es ist mir lieb,daß Karl Moritz mich lieb hat, ob er mich schon nicht kennt, dasGeblüt muß es thun. Daß ich ihn lieb habe ist kein Wunder;ich habe ihn auf die Welt kommen sehen; überdies so habe icheinen solchen Respekt vor I. G. unsren Herrn Vater s. in meinemHerzen behalten, daß ich alles lieb habe, was I. G. Kinder sind.Ich wünsche daß der Herr Rittmeister Karl Moritz bald Obristmag werden. Liebe Louise, man stirbt nur wenn die bestimmteZeit kommt; Karl Moritz wird nicht länger leben, als sein Destinist, er mag bei Hof oder in Kriegsdiensten sein. Darum laßtihn nur seine Inklination folgen; denn alles wozu einem dienatürliche Inklination treibt, thut man besser als wozu man sichzwingt. Unterdessen daß ich erfahre, ob ich an Karoline schreibenkann, so bitte ich Euch, liebe Louise, sie doch in Eurem Briesvon meinetwegen zu embrassieren und Glück zu ihrem Sohn zuwünschen. Eurem Schwager macht auch mein Kompliment hier-über. Karoline ist wohl zu entschuldigen, daß sie an keine Versegedacht im Niederkommen; man hat wohl anders da zu gedenkenals an Verse; die, so in den Gazetten waren, habe ich gesehen