Briefe der Elisabeth Charlotte von Orlsans. 47
und schön gefunden. Ich kann kein Englisch, allein viele Leutekönnens hier; die werden mir übersetzen, was Ihr mir geschickthabt. König Wilhelm jammert mich von Herzen, so touchiert überseine Gemahlin noch zu sein, wie auch Pfalzgraf Karl von Neu-bürg. Die Frau von Spanheim, wie sie hier war, hat mirseiner Gemahlin Contrefait gewiesen, welches sie ihr gegeben hatte,wie sie noch Markgräfin zu Berlin war; sie war ja ein rechthäßlich Schätzchen. Ihr habt vergessen zu sagen, wen der kaiser-liche Hof für Prinz Karl destiniert. Ich mag wohl Übel ver-standen haben wegen die zwei schwedische Pfalzgrafen. Wir habenhier einen Grafen von Nassau, so gar ein wackerer ehrlicher Herrist und von jedermann sehr estimiert wird; der hat auch Briefeum ein Fürst zu sein, will es aber nicht sein, das gefällt mirrecht wohl an ihm. Das Tanzen ist dann nun ganz aus derMode überall; hier in Frankreich, sobald Assembleen sind, thutman nichts als Landsknecht spielen, dies Spiel ist am meistenvoZuo, aber die jungen Leute wollen nicht mehr tanzen. Ichthue weder eins noch das andre; ich bin viel zu alt um zutanzen, und seit I. G. unsers H. Vater s. Tod habe ich nichtgetanzt und aus zwei gar starken Ursachen spiele ich nicht; dieerste ist, daß ich kein Geld habe, und die zweite, daß ich dasSpiel nicht liebe. Das Spielen ist hier gräulich hoch und dieLeute werden wie tolle Menschen, wenn sie spielen; eines heult, dasandre schlägt mit der Faust auf der Tafel, daß die ganze Kammerdrüber zittert, der dritte lästert Gott, daß einem die Haare drüberzu Berg stehen, Summa alle sind wie verzweifelte Menschen,welche einem bange machen sie nur anzusehen. LenorZ, desOberjägermeister Veninger Schwester, ist jetzt hier bei mir mitihrer zweiten Tochter, die gar artig ist. Wir sprechen alle Tagevon den vergangenen Zeiten. Weil sie ihrem Vater gleicht, bildeich mir ein, wie Ihr ihren Neveu beschreibt, muß er ihr auchgleichen! Die Frau von Sickingen bitte ich meinetwegen für ihr
*) Dies ist die Frau von Rathsamhausen mit ihrer Tochter,die in den Briefen der folgenden Zeit eine so bedeutende Rollespielt. Sie war mit El. Charl. feit chrem neunten Jahre befreun-det und war am französischen Hofe eine sehr gern gesehene Er-scheinung. Der König mochte sie Wohl leiden, weil sie ihn zumLachen brachte; die Dauphine und Madame de Berry hatten siesehr lieb.