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Briefe der Elisabeth Charlotte von Orléans 1673 bis 1715 / Ausgewählt, mit Einleitung und Anmerkungen versehen von Ludwig Geiger
Entstehung
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48 Briefe der Elisabeth Charlotte von Orlsans.

Andenken zu danken. Es freut mich als, wenn unsre gute Pfälzersich meiner noch erinnern. Ich habe durch Jeme einen Brief vonH. Max bekommen, werde eine Antwort hierbei für ihn senden.Scheuet Euch nie, mir unsren alten guten Freunden Grüße zuwissen zu thun, liebe Lonise! Denn die sind mir gar angenehm.Hier in dieser Stadt kann man wenig des schönen Wetter ge-nießen. Ich fahre doch aus, soviel mir möglich ist, habe auchzweimal den Hirsch gejagt. Ihr werdet vielleicht gedenken, daßich zu alt bin zu jagen, und hierin habt Ihr recht. Allein ichwill lieber ridiküle, als krank sein, und weil mir nichts besseresfür meine Milzschmerzen ist, als das Jagen und die starke Be-wegung, so jage ich immerfort. Und so lange mir mein Milzkeinen schlimmeren Possen spielen mag und nicht in die andre Weltführen, so seid versichert, liebe Louise und Ameliese, daß ich Euchbeiden von Herzen lieb behalten werde, wie auch Eure andreGeschwister und alle Sentiments für Euch alle behalten, so Ihrwünschet!

Elisabeth Charlotte.

An die Kurfürstin Sophie.

(10) St. Cloud, 7. Juli 1695.

Ich glaube, daß Monsieur devot ist, um Henri lll. in allemzu gleichen; wenn dies der Himmelsweg ist, komme ich gewiß nichthinein; wenn ich keine Aiauäs Messe hören muß, bin ich baldmit unsrer Andacht fertig, denn ich habe ein obapelain, so ineiner Viertelstunde die Messe expediert, das ist meine rechte Sache.E. L. sagen nicht, was man den Jesuit beschuldigt, den man vonCelle weggejagt hat; wie übereilt man sich aber so sehr an demHof, daß man erst, nachdem die Leute weggejagt sind, examiniert,ob sie es verdient haben oder nicht. In Devotion, sehe ich hier,folgt jedes seinem Humor: die gerne plaudern, wollen viel beten;die liberal sind, wollen immer Almosen geben; die leicht böse undoolsrs sind, eifern immer und wollen alles töten; die hingegenlustig sind, meinen, sie thun Gott einen Dienst daran, sich überalles zu erfreuen und sich über nichts zu erzürnen. Summa, wersich in die Devotion begibt, setzt sich auf den Probierstein, seinenHumor recht zu weisen. Die ich die Schlimmsten von allen finde,sind die, so die Ambition im Kopf haben und alles durch denSchein der Devotion regieren wollen und vorgeben, sie thun Gott