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Briefe der Elisabeth Charlotte von Orléans 1673 bis 1715 / Ausgewählt, mit Einleitung und Anmerkungen versehen von Ludwig Geiger
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Briefe der Elisabeth Charlotte von Orlsans. 53

auch zu fromm dazu; also muß es bloß von den KonspirantenEnglands hergekommen sein. Es ist eine rechte Fatalität überdas Fliegen i) gekommen; denn das ist die einzige Jagd, wo ichden König von was sprechen kann, und seit einem Monat herhabe ich nur einmal mit dem König auf die Jagd gekonnt und

eben selben Tag hat sich der König selb acht in die Kutsche ge-setzt, habe also noch nicht mit I. M. reden können, aber mit der

Zeit hoffe ich noch Gelegenheit zu finden. Was ich I. M. sagen

werde, wird mir gar keine Ungelegenheit zuwege bringen können,aber wenn es auch schon wäre, würde ich solches gar nicht scheuen,wenn es Euch Raugräflichen Kindern zu Nutz kommen könnte,dessen könnt Ihr wohl versichert sein. Denn nicht allein das Ge-blüt gibt mir einen natürlichen Trieb zu Euch allen, sondernauch ich werde mich all mein Leben erinnern, wie sehr mich I. G.der Kurfürst, unser Herr Vater s. mich Euch alle rekommandierthat, als ich zu Straßburg Abschied nahm; also alles, was inmeinem Vermögen jemals wird kommen können. Euch meine Af-fektion zu bezeugen, da werde ich nie an fehlen. Wir gehen inein paar Stunden nach Marly, allwo ich hoffe Gelegenheit zufinden, mit dem König zu sprechen. Hier sehe ich I. M. nieals an Tafel abends, aber dort sieht man I. M. öfter, hoffealso einen guten Moment zu finden unsre Sache vorzutragen,werde Euch gleich Nachricht davon geben.

An die Raugräfin Louise.

(15) Versailles 18. Mai 1696.

.... Meine Tochter-ist nun Gott sei Dank, in vollkom-mener Gesundheit, aber nicht sehr gewachsen noch fett. Das Wachsenhat sie nicht mehr von nöten; sie ist groß genug, einen halbenKops länger als ich und nicht übel geschaffen, hat auch unteruns gesagt, keine böse Mienen, mein Sohn aber ist klein undhat gar keine gute Mienen, ob er zwar in seiner Taille nichtübel geschaffen ist. Ich habe nun einen andern Maler gefunden,hoffe also, daß ich Euch mit der Zeit und an die Karoline auchdie drei Contresaits werde schicken können. Der Maler, so mirabgeschlagen, ist nicht plumper als ein andrer Franzose; plumpsein ist die größte Mode hier und auch daß die Größten alles

r) — mit dem Falken auf die Jagd gehen.