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Briefe der Elisabeth Charlotte von Orléans 1673 bis 1715 / Ausgewählt, mit Einleitung und Anmerkungen versehen von Ludwig Geiger
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66 Briefe der Elisabeth Charlotte von Orleans.

hofft, daß er davonkommen solle. Man hat ihn gefragt, werseine Feinde sind, er sagt er hätte keine, als seine Frau und seinPortner i). Vorgestern wurde der Portner in Verhaft genommen.Der muß auf die Frau bekannt haben, denn gestern ist die Frauauch eingezogen worden. Dies ist die neueste Historie, so wirhier haben.

An die Raugräsin Amelie Elisabeth.

(30) St. Cloud, 28. Mai 1699.

--Ich lebe hier, gottlob, in gar vollkommener Gesund-

heit, Luft und Wasser bekommen mir wohl hier und allezeit übel zuParis. Die jungen Grafen von Nassau-Weilburg haben mir ver-sprochen, daß sie Euch berichten wollen, wie es hier zu St. Cloudist, denn ich habe sie überall herumgezoddelt und das ganze Hausgewiesen. In dieser Jahreszeit, beucht mir, ist es viel besser aufdem Land, als in der Stadt zu sein, aber nur für ein paarStunden hinzufahren, ist nicht genug. Das schöne deutsche Kom-pliment (daß man einem zu einer kalten Milch ladet und wasder Löffel noch mehreres geben wird) muß erfunden sein worden,seit ich aus Deutschland weg bin, denn zu meiner Zeit habe iches nie gehört. Ihr seid wohl glücklich, noch lachen zu können,mir ist es ganz vergangen, ob ich zwar vor diesem mehr alsjemand gelacht habe. Wer das Lachen vertreiben will, mag sichnur in Frankreich heiraten, es wird einem bald genug vergehen.

An die Raugräsin Amelie Elisabeth.

(31) Port royal, 12. Juni 1699.

Ich muß aber lachen, daß Ihr die Fortune so delikat aus-

sprecht, und nur Fordune heißt, wenn diese Fordune dann Euchnur in andern Sachen favorabel ist, werdet Ihr Euch wohl end-lich getrosten können, daß Eure Briefe übler als Louise ihrerbestellt werden. Ich glaube, liebe Ameliese, daß Ihr versuchenwollt, ob ich noch filzen kann, daß Ihr mir so was abgeschmacktesdahersagt, nämlich, daß Eure Briefe mir zu oft kommen und daßsie mich importunieren, denn wenn die, so ich lieb habe, mir mitsolchen Diskursen hervorkommen, so zürne ich recht. Laßt Euchfür diesmal zur Warnung dienen, liebe Amelise, und kommt mir

*) Pförtner, Portier.