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Briefe der Elisabeth Charlotte von Orléans 1673 bis 1715 / Ausgewählt, mit Einleitung und Anmerkungen versehen von Ludwig Geiger
Entstehung
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68 Briefe der Elisabeth Charlotte von Orlsans.

hat er alle Exemplare gekauft und den Druck verbieten lassen.Man hat mir das Manuskript nur stückweise geliehen, und einsnicht geben wollen, bis ich das andre ausgelesen, mit Versprechunges nicht abzukopieren lassen, sonst hätte ich's gar gewiß abschreibenlassen und E. L. geschickt. Gott gebe, daß die Instruktionen soin diesem Buch sind, dem Duc äs LourASAns Impression gebenmögen, denn wenn er sie folgt, wird er mit der Zeit ein großerKönig werden.

An die Kurfürstin Sophie.

(33) Paris, 15. Juni 1699 um 11 Morgens..... Freilich traktiert die Königin in England die Maintenon

nicht wie eine Königin, sie will auch selber nicht, daß man siedem Rang nach so traktieren solle, aber sie will, daß man die-selbe Consideration und noch mehr für sie haben sollte, als wennsie Königin wäre, daß man sie über alles konsultieren solle undnichts ohne ihren Rat und Ordre thun. Und das ist meinesThuns nicht. Wenn sie fortgefahren hätte wie ganz im Anfang, zuleiden, daß ich ihr Kommission gebe, dem König zu sageu, wasich selbst nicht sagen konnte, so würde ich vielleicht wohl dieSchwachheit gehabt haben, ihr alles zu vertrauen und ihren Rat zufolgen; wie kann sie mir es aber nun zumuten, da sie mir durchden König öffentlich vor aller Welt hatte verbieten lassen, in derKönigin Kammer, ihr mein Leben keine Kommission an den Königzu geben? Ich habe des Königs Ordre gefolgt, da ist ja nichtsgegen zu sagen; hätte der König seitdem befohlen, daß ich michwieder bei sie anmelden sollte, hätte ich's gethan; allein michdeucht, sie sollte mir nicht übel wollen, des Königs Befehl zuvollziehen. Mich deucht, ein Fürst könnte wohl geistlich sein, unddabei nicht wie ein wilder Mensch; wenn er ein Souverän seinsoll, hat er mehr vonnöten, die Welt zu kennen, als wie einEinsiedler zu sein, finde also, daß man groß Unrecht gehabt hat,den Bischof von Osnabrück so übel zu erziehen. . .

An die Raugräfin Louise.

(34) St. Cloud, 23. Juni 1699.

Ich weiß unsren guten ehrlichen Deutschen recht Dank, nicht

in das abscheuliche Laster zu fallen, so hier so sehr im Schwanggeht, daß es ganz öffentlich ist; man vexiert die junge Kerls