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Briefe der Elisabeth Charlotte von Orléans 1673 bis 1715 / Ausgewählt, mit Einleitung und Anmerkungen versehen von Ludwig Geiger
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70 Briefe der Elisabeth Charlotte von Orlsans.

macht melancholischer; man wird nie traurig, um etwas damitauszurichten, sondern nur weil man es nicht ändern kann; daßman selber sterblich ist, ist gar nicht tröstlich. Ich habe voretlichen Jahren eine alte Dame hier gekannt, so Madame deFiennes hieß, die war gar natürlich. Einmal starb jemand vonihr Kundschaft, Mad. de Fiennes weinte bitterlich. Jemand sagtezu sie: „II u's xss xsruH, gas vous s^ss taut simss ssttsxsrsonns, gui visnt äs raourir, xsnäsnt ss via, xour 1staut xlsursr xrsssutsiuout, gu'slls est rnorts." Mad. deFiennes antwortete: „Llon äisu gus tu es sot äs oroirs,gus ja xlsurs sstts xersonns! 6s n'sst xss slls gus jsxlsurs, rnsis bisii woi-iusins, xuisc^u'il laut gus js weursaussi bisu gu'slls, st ss rnort ru'sn lait Souvenir." Hier-aus seht Ihr wohl, liebe Louise, daß wenig Leute den Tod füreinen Trost halten können.

An die Raugräfin Amelie Elisabeth.

(35) St. Cloud, 10. Juli 1699.

.... Gute Wünsche halte ich für kein Kompliment noch Zeremonie,sondern für Freundschaft, aber weil ich niemand dienen kann, seheich nicht, womit ich jemand trösten könnte. Mit halben Wortenverstehen, das lernt man hier über die Maßen wohl und hieraufdeucht mir, bin ich gelehrt genug. Ich wünsche, daß Ihr undLouise Euch wohl im Schwalbacher Brunnen bei I. L. der FrauLandgräfin Invertieren möget. Aber wie Ihr und Louise mirvon Eurem Humor sprecht, glaube ich nicht, daß Ihr um einHänsel aufzusuchen und sein Gretel zu werden, nach Schwalbachzieht. Schwalbach ist ein artiger und glücklicher Ort, wenn mandort frei leben kann, ohne daß man dort übel findet, was manthut Solchen Ort kann man hier in Frankreich nicht finden.Die französischen Damen laßt über Eure innocente Lust lachen,wie sie wollen! Sie haben keine so wahrhafte Freude nicht; man

„Sie schienen doch die eben gestorbene Person gar nicht sosehr zu lieben, während sie lebte, daß Sie nun Grund hätten, sie,da sie tot ist, so sehr zu beweinen."

°) „Mein Gott, wie thöricht bist, wenn du meinst, ich beweinedie Verstorbene. Ich beweine gar nicht sie, sondern ich beweinenur mich selbst, daß ich ebensogut wie jene sterben muß, und ihrTod erinnert mich daran."