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Briefe der Elisabeth Charlotte von Orléans 1673 bis 1715 / Ausgewählt, mit Einleitung und Anmerkungen versehen von Ludwig Geiger
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Briefe der Elisabeth Charlotte von Orlsans. 81

sieren; aber sonsten macht niemands groß Wert draus. Von demZeugs aber gar befreit zu sein, ist unmöglich; mein Beruf undkindlicher Gehorsam haben mich hergebracht. Hier muß ich lebenund sterben und mein Verhängnis völlig erfüllen. Meinem Gottdiene ich wie ich's kann und verstehe, laß ihn im übrigen wal-ten .... Ich weiß nicht, ob Ihr die Hunde lieb habt undwohl werdet begreifen können einen rechten Chagrin, so ich erst denTag gehabt, als Ihr mir geschrieben, denn mein liebstes Hünd-chen von allen, so Mione hieß, ist mir gestorben.

An Raugräfin Amelie Elisabeth.

(46) Versailles, 3. Juli 1702.

Herzliebe Ameliese. Gestern habe ich durch ein Schreiben

von ms. tauts die Frau Kurfürstin von Braunschweig, wie auchdurch eines von Eurer Schwester leider erfahren, daß der armeKarl Moritz gestorben, welches mir von Herzen leid ist und be-klage Euch von Grund meiner Seelen, denn ich mir leicht ein-bilden kann. wie Euch dies Unglück zu Herzen gehen wird. Eurenlieben Bruder verloren zu haben und ich bin versichert, daß Euchdieses noch an alle die Andern erinnern wird, so Ihr verloren.Ich habe es nicht so bald gehört, so ist mir gleich mein Bruderselig und mein lieber Carllutz dabei eingefallen, welche bei mirnoch gar nicht vergessen sein. Gott der Allmächtige, so allein insolchen Fällen trösten kann, wolle Euch, lieb Ameliese, auch Trostverleihen und das Herzeleid mit tausend Freuden ersetzen. Ichwill aber nichts mehr von dem Unglück sagen, als nur, wenner mich und Euch geglaubt hätte und nicht so viel getrunken, glaubeich, daß er länger gelebt hätte .... Das Zittern, das Euerarmer Bruder in den Gliedern gehabt, kam gewiß von vielemWeintrinken. Ihr habt wohlgethan. Euch zu Eurem Unglück zubereiten; allein ich bin versichert, so bereit Ihr auch mögt ge-wesen sein, so wird es Euch doch unerhört geschmerzt haben; dennwelche Resolution man auch nehmen mag, so kann ein gut Ge-müte solch Unglück nicht mit Indifferenz ansehen; das Geblütregt sich in uns und läßt sich fühlen.

An dieselbe.

(47) Versailles, 22. Juli 1702.

.... Der Gras von Brockdorf wird eine rechte Thorheit

thun, seine Kinder her zu schicken, nachdem ich's ihm widerraten;

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