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Briefe der Elisabeth Charlotte von Orléans 1673 bis 1715 / Ausgewählt, mit Einleitung und Anmerkungen versehen von Ludwig Geiger
Entstehung
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Briefe der Elisabeth Charlotte von Orleans. 83

tags ging ich mit dem König spazieren und abends war die loth-ringische Post. Samstags jagten wir den Hirsch wieder und dieJagd währte noch eine halbe Stunde länger, als letztmal, wargar schön, benahm mir auch wieder die Zeit zu schreiben. Sonn-tags-Post schrieb ich 20 Bogen (Seiten will ich sagen) Papieran ma tants, der Frau Kurfürstin, 10 in Lothringen, 10 we-gen ein Affäre, 12 zu meine gute Freunden, war so müde her-nach, daß ich nimmer schreiben konnte. Sonntag mußte ich auf4 Bogen, auf alle Seiten geschrieben, an nmäains 6s Lavoisantworten; ich bekam Visiten, mußte also noch mit Eurem Briefeinhalten. Gestern waren wir vor und nach dem Essen drinnenim Garten mit dem König, gar schöne Statuen placiren zu sehen;sie kosten 100 000 Franken die beide. Eine ist die Renommee,die sitzt auf ein geflügelt Pferd, alles ist von einem einzigenStück weißem Marmor; das andere ist ein Merkurius, der sitztauch auf ein Pferd, man kann nichts Schöneres sehen. Ichglaube nicht, daß man in der Welt einen schönern Garten findenkann, als dieser hier ist.

Wenn man wohl und content, thut man wohl, keinen an-dern Stand anzunehmen. Hätte der gute König in Polen dieseMaxime gefolgt, stäke er nicht in dem Unglück, worinnen I. M.nun seien, denn man hat hier Zeitung bekommen, daß der Königin Schweden mit 12 000 Mann des Königs in Polen Armeeim Grund geschlagen, so noch einmal so stark war. Der Königin Polen solle verwundet und daneben verloren sein, daß mannicht weiß, wo I. M. hinkommen sein. Wäre er hübsch Kurfürstvon Sachsen geblieben, so wäre ihm dies nicht widerfahren.Lenore sagt hierauf: „Wenn's der Gais zu wohl ist, geht sieaufs Eis und bricht ein Bein . . .." Es ist unnötig zu ge-denken, welch Bad oder Sauerbrunnen mir gut thun könnte; dennich bin nicht in einem Stand, hinzugehen können. Mein Halsist nun überall ausgeschlagen, am Rücken auch bis aus die Brust;aber es muß so seinen Weg fortgehen, und draus werden wasGott will. Sonsten bin ich doch gottlob gesund und ist mirnirgend wehe. Ordinär essen die Magern mehr als die Fetten.Es ist wahr, daß gar junge Leute allzeit Appetit haben.Chagrin macht nicht allzeit mager, sonst müßte ich wie ein Spön-hölzel sein. Wenn man Herzenleid und dabei wieder Trost hat,so ersetzt man sich leicht. Glaubt mir, liebe Louise, wenn wir