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Briefe der Elisabeth Charlotte von Orléans 1673 bis 1715 / Ausgewählt, mit Einleitung und Anmerkungen versehen von Ludwig Geiger
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84 Briefe der Elisabeth Charlotte von Orleans.

keine andre Betrübnis hätten, als unsre Sünde, wären wir garlustig. Wißt Ihr was uns betrübt? Wenn unser Verhängnisuns ein Unglück über das andre schickt und unser Temperamentmilzsüchtig ist, so zieht man sich alles zu Herzen und wird me-lancholisch. Aber bei uns selber steht's wenig lustig oder traurigzu sein. Zum Exempel, der Lenore Temperament ist lustig; da-bei heftH die Traurigkeit nicht; die Hex', wenn sie zu Haus ist,kann sich auch mit ihren guten Freunden lustig machen, wenn siewill und wenn sie hier aus Freundschaft für mich Langeweil aus-stehet, kann sie es doch wieder den Winter zu Haus ersetzen. Dasitzt sie und spinnt Seiden und lacht über alles, was ich schreibe.Sie will auch gut davor sein, daß Ihr keine Sünde habt, wor-über Ihr Euch jemalen betrüben mögt, es sei denn, sagt sie, daßIhr nur wenig von dem Darmstädtischen Hof von der Pietistcreimögt angesteckt worden sein. Aus dieser Plaisanterie werdet Ihrsie wohl erkennen. Ich habe lachen müssen, daß Ihr sagt, daßder römische König nachmittags um 4 die Meß gehört; daskann nicht sein, denn man sagt keine nachmittags; es muß dasSalut gewesen sein. Man sieht wohl, daß Ihr die katholischeKirchengebräuch nicht wißt....

Ist man bei rechten Königlichen Höfen, kann man unmög-lich, ohne Respekt zu manquieren, in Manteaus erscheinen; wun-dert mich also, daß es die Königin in Dänemark gelitten. Sieund ihre Damen konnten wohl so sein, weil sie reiseten, aberandre so nicht reisen, sollten nicht so erscheinen. Wenn man zuVersailles, welches vor die Residenz Passiert, lebt, so ist jeder-mann, der vor dem König und uns erscheint, als in Zronck dabit;aber hier zu Norlz' und zu Nsnckou und zu 8t. 6Iouä ist manallezeit sv wantsau, auch aus den Reisen. Ich finde ts ^ranäliudit viel gemächlicher als die inantsarm, die kann ich nicht lei-den, denn es ist eine doppelte Kleidung und hasse die Eorncttcn,wo gar nichts Angenehmes ist; sie hängen überall an.

An Amelie Elisabeth.

(49) Versailles, 18. Aug. 1702.

.... Es ist kein Wunder, wenn man selten französischspricht, daß man etlichmal einen Buchstaben für den andern setzt.

') Heftet, dauert an.