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Briefe der Elisabeth Charlotte von Orléans 1673 bis 1715 / Ausgewählt, mit Einleitung und Anmerkungen versehen von Ludwig Geiger
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114 Briefs der Elisabeth Charlotte von Orlsans.

christliche katholische Religion anzunehmen, antwortete er, er glaube,daß man in allen Religionen könnte selig werden, und Gott liebenichts mehr, als die Veränderung; dann gleiche sich nichts in derWelt, jede grüne Blätter wären disferent und daß also unser Herrauf unterschiedliche Manieren wolle angebetet sein; dann müßteunser König fortfahren, Gott dem Allmächtigen auf seine Weis,wie er es gelernt, zu dienen, er aber wolle Gott auf seine Manierloben und dienen, und wenn es Gottes Wille sein sollte, daß erihm anders dienen sollte, würde er es ihm schon ins Herz geben.Ich finde, daß er hierin nicht unrecht hatte. Hiermit ist Euerlieber Brief völlig beantwortet. Ich glaube, daß noch eine guteZeit dahin ist, ehe der jüngste Tag kommen; wir haben denAntichrist noch nicht gesehen. Ehe er kommt, werde ich Euch nochoft versichern können, daß ich Euch recht lieb habe, liebe Amelise!

An dieselbe.

(87) Versailles, 3. Februar 1707.Herzliebe Ameliese, ich bin recht froh, daß Euch das silberne

Schächtelchen gefreut hat; aber es meritiert wohl nicht, als eineRarität verehrt zu werden, denn es ist keines nicht. Luise undIhr gebt einander denn kein Neujahr, wie ich sehe, weilen diesdas erste Präsent ist, so Ihr von diesem Jahr empfangen habt.Tragt Ihr Tabak im Sack? Das hätte ich nicht gemeint, isteine häßliche Mode. Ich dachte nicht, daß Ihr so L Irr inockswäret. Ich gönne Euch's von Herzen, Euch brav lustig gemachtzu haben; das könnt ich mich nie berühmen. Ich esse das ganzeJahr durch zu Mittag muttersallein, eile mich so viel möglich,denn es ist verdrießlich, allein zu essen und zwanzig Kerls umsich zu haben, so einem ins Maul sehen und alle Bissen zählen;esse derohalben in weniger Zeit, als eine halbe Stunde. Nachtsesse ich mit dem König, da sind wir fünf oder sechs an Tafel;jedes ißt vor sich weg, wie in einem Kloster, ohne ein Wort zusagen, als ein paar Wort heimlich an seinen Nachbar.

An dieselbe.

(88) Marly, 3. März 1707.Ihr habt recht, was uns alle hier serieux macht, sind hundert

Jntrigen; denn man kann nicht reden, ohne daß einem Affairendrüber kommen. Als zum Exempel ein Narr zu Paris bildet