136 Briefe der Elisabeth Charlotte von Orlsans.
König und königlich Haus lieben, so sehr hassen sie Mad. de Main-tenon. Ich wollte einen Augenblick Luft nehmen, weil es warmwar in meinen Kabinetten, so niedrig und klein sind, aber ichwar kaum da, so kam ein großer Zulauf vom xsuxlo, die gabenmir viel Segen, sie fingen aber alle an so abscheulich von derDame zu reden, daß ich gezwungen wurde, wieder Hereinzugehenund die Fenster zuzumachen, keiner von meinen (Leuten) durftesich mehr sehen lassen, denn sobald sie am Fenster kamen, fingensie wieder an zu sprechen, sagten platt heraus, sie möchten siehaben, um sie zu zerreißen, oder als eine Hexe verbrennen. . . .
An Louise.
(113) Marly, 31. August 1709.
Ich gestehe, daß die, so ich lieb gehabt habe, deren Lebenmöcht ich als wissen bis aus End, was sie gedacht und geredethaben. Mich beucht, das macht mehr Reflexionen auf den Todmachen. Ich habe wohl gedacht, daß sie gar gottesfiirchtig undresigniert sterben würde. Wenn eine Betrübnis so erschrecklich ist,wie die Eure, so spricht man gern von seinem Unglück, drumscheue ich mich auch nicht noch davon zu sprechen. Ich finde, daßIhr groß recht gehabt habt, Ameliese nicht zu öffnen lassen, dennman stirbt ja nur, wenn die bestimmte Stunde kommen ist undeher nicht, auch sieht man nicht, seit man soviel Leute öffnet, daßein einzig Mensch davon ist salvieret worden. Hier öffnet mandie Körper nicht eher, als nach 24 Stunden, sind also nicht mehrwarm. In meinem Testament habe ich verboten, geöffnet zu wer-den. Daß Ameliese etlichmal gefabelt hat, nimmt mich gar leinWunder. In den gemeinen Fiebern fable ich gleich nach demSchlaf. Die Frau Linenschloß, so Ameliese in ihrer Krankheit ge-wahrt, ist es des gewesenen Professors Frau, und der DoctorMieg ist es einer von der Vicekanzler Mieg seinen Söhn? Ichbin gewiß, daß unsre alte gute Pfälzer recht betrübt über Ameliesewerden gewesen sein. Daß Ihr so gezittert, wie Ihr AmeliescsEnd erfahren, wundert mich nicht, denn ich habe nie dergleichenSchrecken gehabt, daß ich nicht auch gezittert mit solcher Macht,daß ich keinen Schritt gehen können. Es ist mir recht von Herzenleid, daß die gute Frau von Wolmershausen so gar übel ist, daßsie aber resolut stirbt, nimmt mich nicht wunder, denn sie ist allihr Leben herzhaft und kouragös gewesen. Ihr sagt nicht, was