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Briefe der Elisabeth Charlotte von Orléans 1673 bis 1715 / Ausgewählt, mit Einleitung und Anmerkungen versehen von Ludwig Geiger
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Briefs der Elisabeth Charlotte von Orlsans. 137

für eine Krankheit die gute Frau von Wolmershausen hat. WennIhr ihr schreibt, bitte ich, sie von meinetwegen zu grüßen undihr zu sagen, wie herzlich leid es mir ist, sie übel zu wissen.Das rechte Mittel, lang zu leben, ist, wie die Frau von Weidenzu thun, nämlich sich suchen zu invertieren und um nichts zu be-kümmern. Von allen Spielchen von Fräulein Charlotte oder Frauvon Melden erinnere ich mich nur von dem:Da kommt er her-gegangen und drehet sich einmal herum, wieder einmal herum, miteinem freundlichen Tacktacktack und einem freundlichen Tickticktick und wieder einmal herum." Ich bin diesen zwei Damenrecht verobligiert für ihr Andenken. Ich wünsche von Herzen, daßdie gute, liebe Frau von Wolmershausen wieder genesen möge.Ich habe sie noch als lieb. In dem Sturm von der Betrübniswird man nie krank, aber hernach findet es sich nur gar zu baldein, und was noch mehr ist, so macht es einem indifferent inalles und man kann kein Lust recht mehr in nichts nehmen.

An dieselbe.

(114) Versailles, 14. September 1709.

Ihr werdet nun viel Kameraden in Betrübnis haben, dennvor 4 Tagen haben die Unsrigen eine Schlacht bei Uons H ver-loren, haben sich aber diesmal erschrecklich gewehrt, also sind garviel Leute umkommen auf beiden Seiten. Man sieht nichts alsTraurigkeit und Thränen, Madame Dangeau, die ein geborn Fräu-lein von Lewenstein ist, hat ihren einzigen Sohn abscheulich ver-wundet. Man hat ihm einen Schenkel nahe bei dem Bauch ab-geschnitten, man weiß noch nicht, ob er davon wird kommen odernicht. Ich fürchte, daß sie eben ankommen, wenn er sterben wird.Die arme Dame ist in einem Stand, der zu erbarmen ist, dieHärtesten haben sie nicht ohne Thränen sehen können.

Das ist ordinär, daß die Franziskaner possierlich predigen.Vom Pater Abraham habe ich nie nichts gehört. Ich fürchte,daß die Frau von Degenfeld einen von ihren Kindern auch möchtein dieser Schlacht verloren haben. Es ist abscheulich hart aufbeiden Seiten abgangen. Das Herz ist mir ganz schwer von

') Die schon obenerwähnte Schlacht bei Malplaguet 11. Sept.,hier Mons genannt, weil letztere Stadt in der Nahe des Schlacht-orts liegt.

H Der berühmte Wiener Prediger Abraham von Santa Clara.