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Briefe der Elisabeth Charlotte von Orlsans.
wo man ihm alles hat mankieren lassen und wo er alles mitsein eigen Geld hat erkaufen müssen, haben ihn recht ruiniert.Es ist abscheulich, was mein Sohn verthan hat. Der König hatmeinem Sohn keinen Heller geben, alles Reisen, Kampagne, Be-lagerungen, alles ist auf seine eignen Kosten gangen. So eineelende und erbärmliche Zeit, wie wir nun haben, habe ich meinLeben nicht erlebt. Gott gebe, daß ein guter Frieden allesändern möge!
An dieselbe.
(115) Versailles, 2. November 1709.
Heute ist der Hof nach Marly. Ich habe aber noch zu vielböse Nächte, hoffe doch zukünftigen Mittwoch zu folgen können,denn man sagt, daß Kurbayern bis Donnerstag hinkommen wird,und wie man sagt, daß I. L. gar höflich sind, ist mir bang,daß I. L. mich hier besuchen mögen wollten, hier zu mir zu
kommen und wie man mir gar leicht gibt und
Reden macht, wenn ich nicht dran gedenke, also will ich mich beidem großen Haufen halten, damit man mir nichts aufbringenmag, denn die alte Dame, die in so großen Gnaden, haßt michabscheulich. Ich habe all mein Bestes gethan, ihre Gnaden zu
gewinnen, aber nicht dazu gelangen können. Sie hat, wie manhier sagt, uns dains implacabls gegen mich und meinen Sohn.Aber was will man thun? Man muß alles folgen, was räson-nabel ist und denken: „Hüt dich vor der That, der Lügen istwohl Rat," immer seinen geraden Weg fort. Gott wird allesrichten. Wegen Eurer Augen, liebe Louise, hatte ich Euch ge-beten, mir nur alle Samstag zu schreiben, weil mir bang war,daß es Euch schaden würde öfter zu schreiben, aber findet Ihr,
daß es Euch keinen Schaden thut, so schreibt mir, so oft Ihr
nur wollt, liebe Louise. Es wird mir allezeit recht angenehmsein. Ich bin froh, daß Ihr noch zu reisen habt und an Oerter,wo Ihr die arme Ameliese nicht gesehen habt, denn ich hoffe, daßEuch das Distraktion geben wird und die Traurigkeit wo nichtvertreiben, doch aufhalten wird, wie ich es von Herzen wünscheund auch daß die Luft von der Göhrde Euren Augen besser alsdie von Hannover bekommen möge. Es erfreuet mich zu ver-
Z Etwas Schlechtes zuraunt, falsche Zumutungen macht.