Briefe der Elisabeth Charlotte von Orleans. 157
als englische Pflaster trag ich drauf, das ist gemächlicher als Ge-schmier und soll gut dafür sein. Meine Doktoren konsultiere ichselten, gouverniere mich nach meinem Kopf, zur Prekaution braucheich mein Leben nichts. Eott sei Tank, daß I. L. unsre liebeKurfürstin so frisch und gesund ist, und halte I. L. lange Jahredabei! Ich wünsch es mehr für ins, tanta, als für mich selber.Milch ist ins tsnte nie übel bekommen, ich esse sie gern auch,aber sie bekommt mir nicht wohl. Ich nehme mein Leben wederThee, Kaffee noch Chokolade, habe mich an diese fremde Nah-rungen nicht gewöhnen können. Ich esse auch mein Leben keinefranzösischen Ragouts, lauter schlechte Speisen, von einem gutenHammelschlegel, einen guten Schinken, Rindfleisch gesotten und ge-braten, etliche Mal auch einen Nierenbraten, sonst nichts; gebratneHühner eß ich auch wohl und eher als Feldhühner.
An dieselbe.
(135) Versailles, 9. April 1711.
Ihr schreibt mir nicht was die Frankfurter Pillen kosten,denn es ist nicht billig, daß alle Kommissionen, so ich Euch gebe,als auf Euren Kosten gehen sollen. Danke nur für die Mühe,so Ihr drum genommen habt. Es ist eine possierliche Sachvorgestern mit den Pillen geschehen. Ein msitrs ä'bStst äsgusitisr vom König, der den Cachou sehr liebt, aß bei denLeuten zu Nacht, vor welchen ich die Pillen gefordert hatte, hattesie bei dem Nachtessen in der Hand. Der msttrs ä'llotst nachdem Nachtessen meinte gar schlau zu sein und seinen Freund wohlmit seinem Cachou zu ertappen, springt auf und flugs mit derHand in die Schachtel und ertappt bei 20 Pillen, schluckt sie ge-schwind alle auf einmal. Der Freund erschrack, aber die Sachwar geschehen, es ist ihm doch nicht übel bekommen, hat die Nachtwohl geschlafen. Ich glaube aber doch, daß seine Leckerhaftigkeitihm wird bezahlt worden sein. Wenn jedes so mit Haritwollnimmt, wird der Apotheker nicht zu viel geschickt haben. Ichbrauch mein Leben keine Pillen und muß sehr krank sein, wennich einig Remedium brauch, was Namen es auch haben mag.Monsieur le Dauphin hat aus Prekaution Ader gelassen undpurgiert, heute ist er zu Meudon platt ohnmächtig worden, hat dasFieber mit Frost bekommen und ist sehr schläfrig dabei.