Briefe der Elisabeth Charlotte von Orlsans. 159
lich. Die Tuchcsse de Villeroy hat nur zu Versailles mitihrem Mann gesprochen, sein Kleid, so in Monsieur le DauphinKammer gewesen, hat sie schon angesteckt, noch mehr werden sichwohl auch finden.
An dieselbe.
(138) Marly, 26. April 1711.Was mir heute so viel Zeit benommen ist des Kaisers
Tod, so auch, wie Ihr nun schon wissen werdet, an den Kinder-blattern auch gestorben ist sowohl als unser Dauphin. Jedes isthereinkommen, davon zu reden. Die 2 Kaiserinnen jammernmich wohl von Herzen, denn es ist ein abscheulich Unglück sürihnen. Vergnügt kann ich wohl in mir selber sein, aber nichtvon den Traktementen, so ich hier empfangen, muß doch Geduldnehmen. Alles geht in dieser Welt und wir selber, warum sollteich mich denn um dies alles quälen?
An dieselbe.
(139) Marly, 7. Mai 1711.Still sein schadet mir mehr als Fatigen, aber Weinen ist
mir nicht gut. Ich beklage die gute Kaiserin wohl von Grundmeiner Seelen. Der König hier ist in der That christlich, aberin Religionssachen sehr unwissend, hat sein Tag des Lebens dieBibel nicht gelesen, glaubt alles, was ihm Pfaffen und falscheDevoten sagen, also kein Wunder, daß es so übel zugangen.Man sagt ihm, es muß so sein, er weiß nicht besser und meintesich zu verdammen, andre anzuhören.
An dieselbe.
(14V) Marly, 14. Mai 1711.
Herzallerliebste Louise, gestern habe ich Euer liebes Schreibenvom 4. dieses Monals zu recht empfangen. Ich werde aber
*) Sie starb wirklich unmittelbar darauf infolge der An-steckung.
2 » Joseph I. starb 17. April 1711. Sein Tod war politischvon der größten Bedeutung, weil sein Erbe und Nachfolger imdeutschen Reiche Karl Itl. war, der von den Verbündeten alsKönig in Spanien anerkannt wurde. Die beiden Kaiserinnen sinddie Kaiserin-Mutter Elenore Magd. Therese aus dem Pfalz-Neu-burgschen und die Kaiserin-Witwe Wilhelmine Amalie aus demBraunschweig-Lnneburgschen Hause.