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Briefe der Elisabeth Charlotte von Orléans 1673 bis 1715 / Ausgewählt, mit Einleitung und Anmerkungen versehen von Ludwig Geiger
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Briefe der Elisabeth Charlotte von Orlsans. 163

fassen kann. Ich konnte diesen nicht mehr tragen, war mir zueng worden. Ihr sagt nicht, ob er Euch gerecht ist. Wir habenhier ein neu Unglück. Monsieur 1s 6us 6s kerr^ hat gesterndem Monsieur 1s (ino*) ungefähr ins Aug geschossen aus derJagd. Man fürchtet, daß I. L. blind an diesem rechten Augwerden bleiben. Der 6ue 6 s ösri^ will drüber verzweifeln,denn er hat seinen Vettern recht lieb.

An die Kursürstin Sophie.

(146) Marly, 18. Februar 1712.

Ich dachte E. L. heute von nichts Trauriges zu schreiben,als von der betrübten Ceremonie, so ich gestern habe zu Versaillesthun müssen, aber das Unglück überhäuft uns noch aufs neue,denn der gute Mons. le Dauphin ist seiner Gemahlin gefolgtund diesen Morgen um halb 9 verschieden. E. L. können leichtdenken, in welche erschreckliche Betrübnis wir alle hier sind, desKönigs seine ist so groß, daß es mich für I. M. Gesundheitzittern macht. Es ist ein abscheulicher Verlust für das ganzeKönigreich, denn es war ein tugendsamer gerechter Herr, ver-ständig; Frankreich konnte keinen größeren Verlust thun. Alleswas hier ist, verliert dran, es touchirt mich recht vorUGrund der(Seelens, ich habe auch nächst Gott keinen Trost als E. L. Weilder König Husten und Schnupfen hat, hat man ihn nicht ge-weckt, hat aber diese abscheuliche Zeitung gleich erfahren; wir sindalle zu ihm, wie wir gewußt, daß er es weiß, nichts war er-bärmlicher zu sehen. Der König verliert viel an diesem Herrn,denn seit seines Herrn Vater Tod hat ihn der König in alle Ratkommen lassen, und die Minister arbeiten mit I. L. Er sou-lagirte den König, wo er konnte, war barmherzig, gab viel Al-mosen, hat alle die Juwelen von seiner Frau Mutter verkauftund an arme verwundete Offiziere gegeben, alles Gute hat er

') Das ist der offizielle Titel des ältesten Sohnes des Prin-zen von Conds. Dieser hieß früher Herzog von Enghien. DerGetroffene blieb lange krank, wurde aber endlich geheilt.

2 ) Der Herzog von Bourgogne, Dauphin nach dem Tode Mon-seigneurs, oben S. 158 A. 1. Er war lange kränklich, seinen Todschrieb man einer Vergiftung zu. Vgl. unten S. 164 A. 2. SeineGemahlin Marie Adelaide de Savoie war sechs Tage vor ihm,12. Febr., gestorben. Der zweite Sohn beider starb kurz nach derMutter, (s. unten S. 164), am 8. März, erst 5 Jahre alt.