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Briefe der Elisabeth Charlotte von Orléans 1673 bis 1715 / Ausgewählt, mit Einleitung und Anmerkungen versehen von Ludwig Geiger
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Briefe der Elisabeth Charlotte von Orlsans. 199

nen König. Gott gebe, daß die Zeit nicht kommen mag, daß sieden jetzigen König auch brennen werden. Denn, wie schon gesagt,so traue ich den Engländern kein Haar.

An dieselbe.

(178) Versailles, 3. November 1714.

.... Ich habe schon 4 Blätter von den Zeitungen gelesen,aber den Ort noch nicht gefunden, will gleich nachsuchen; da habeich es gefunden, liebe Louise. Man hat meine Harange, wieich dem Kurprinzen präsentiert, gar übel übersetzt, denn erstlich soheiße ich den König mein Leben nicht Sire, sondern Monsieur.Was man sukants äs b'ranos heißt, die heißen den König nieSire, das fängt bei die pstits sulauts äs Brunos an, als zumExempel mein Sohn, meine Tochter rc. Was ich zu dem Königsagte, war nur: „Nousisur , voioi Is prinos slsstoral äs8axs, gut soulmits, czus ss Is xrsseuts ä V. N. Der Prinztrat herzu mit recht hohen und guten Mienen und machte demKönig ohne dem geringsten Embarras sein Kompliment, hat gleichdes Königs und ganzen Hofs Approbation dadurch erworben. DerKönig hat ihm gar höflich geantwortet. Alles ist gar^); derPrinz hat dem König seine zwei Hofmeister, Graf Cos und BaronHagen präsentiert, welche hier auch, sowohl als ihr Herr, garwohl geraten und sich von jedermann estimieren machen. Wennalle Korrespondenzen, so man von Frankreich in Deutschland hat,nicht besser sind als diese, wie ich dem Kurprinzen präsentiert habe,so verdienen die Korrespondenten ihr Geld übel. Liebe Louise, ichhabe I. L. den Kurprinzen gefragt, ob er einen andern Hofmeisterhier erwartet, er sagt aber, er wisse kein Wort davon. Der Ge-neral Lutzmburg hat eine Schwester hier, Madame des Alleurs,Ihr kennt sie vielleicht, denn ihr Mann, so jetzt bald aus Türkeikommen wird, wo er Ambassadeur gewesen, ist vorher lang Am-bassadeur zu Berlin gewesen, wo Ihr sie wohl mögt gesehen ha-ben zu der s. Königin Zeiten. Man hat dazu gesagt, daß er einwenig verliebt von der schönen Königin gewesen. Damit ich aberwieder auf seine Frau komme, so wollt ich sagen, daß der Ge-neral seine Schwester sollt mit in Rat nehmen, denn sie hat Ver-

1) „Majestät, hier ist der Kurprinz von Sachsen, der durchmich vorgestellt zu werden wünscht."

2 ) Zu ergänzen: „zufrieden".