Buch 
Briefe der Elisabeth Charlotte von Orléans 1673 bis 1715 / Ausgewählt, mit Einleitung und Anmerkungen versehen von Ludwig Geiger
Entstehung
JPEG-Download
 

Briefe der Elisabeth Charlotte von Orleans. 203

Hannover zu schreiben, kam ein Kammerdiener von meinem Sohndaher gelaufen und ist bleich wie ein Tod und ruft: Na-

äaras, NousaiZasnr s'sst troavs si mal, gn'il visni ä'sva-aouir saus oormaisaanos?") Ihr könnt leicht gedenken, liebeLouise, welch einen abscheulichen Schrecken mir dieses verursacht.Ich sprang auf, lief an die Stieg. Wie ich an die Stieg kam,zitterte ich fo erschrecklich, daß ich nicht steigen konnte, mußte xor-tsars erwarten, um mich hinauftragen zu lassen. Ich war sobleich und alteriert, daß meine Damen meinten, ich würde auchohnmächtig werden. Was mich so sehr erschreckt hatte, war, daßmein Sohn, wie er nur 4 Jahre alt war, hat er einen formellenSchlagfluß gehabt, und wie nun nichts gemeiner ist als Schlag-flüsse, so habe ich gemeint, meinen Sohn tot zu finden. Wie ichin die Kammer kam, sahe ich ihm gleich ins Gesicht; er lachte,sah nicht übel aus, ich sah übler aus, als mein Sohn. Erhatte nichts überzwerchs an den Augen, noch den Mund schief,auch die Zunge nicht schwer, redete so nett als ordinär. Daserweist wohl, daß es, Gott sei Dank, nur eine Ohnmacht gewesen,welche daher kommen, daß er mit einem abscheulichen Husten undSchnupfen bei seiner Tochter wie ein Wolf gefressen und nochmehr gesoffen, wie es leider dort immer zugeht. Daraus ist ergleich in sein Kammer und hat sich bei ein groß Feuer in einergar warmen Kammer gesetzt und ist gleich entschlafen. Wie eraber wieder wach worden, hat er sich übel befunden, wie leicht zuglauben und ist ohnmächtig worden. Man hätte ihm gern gleichzur Ader gelassen, weilen er aber gefühlt, daß er den Bauchnoch zu voll hatte, so hatte man bis um 8 gewartet. DieAderlässe hatten ihm gleich das Kopfweh benommen, hat dieNacht von 11 bis 7 gar wohl geschlafen. Um 8 kam er frischund gesund fhat nur noch ein wenig den Husten) in meineKammer, ging hernach zum König und fuhr nach Versailles.Abends haben ihn die Doktor so geplagt, daß er sich noch ein-mal, um sie zu kontentieren, zur Ader gelassen hat. Das hatihn nicht abgemattet, er befindet sich gottlob wohl, und inetlichen Tagen, wenn sein Husten vorbei wird sein, wird manihn purgieren. Mit allem diesem Gethun könnt Ihr leicht be-

>) „Madame, Monseigneur befindet sich so unwohl, daß ereben völlig bewußtlos geworden ist."