204 Briefe der Elisabeth Charlotte von Orleans.
greifen, liebe Louise, daß ich unmöglich eher als heute habe schrei-ben können. Gestern habe ich noch einen lieben Brief von Euchempfangen vom 20. November, bei welchem ich meine Antwortanfangen werde. Es war gar nicht nötig, um Vergebung zubitten, daß Ihr nicht just auf alle meine Schreiben fo gar exaktantwortet; das ist ja nicht nöthig, denn meine Schreiben sindordinär nur Antworten auf die Eurigen. Es ist leicht zu glauben,daß man viel zu thun hat, wenn man eine so gar große Reisethut, als Ihr vorhabt. Gott gebe, daß es glücklich mag abge-laufen fein! Ich gestehe, daß ich eine rechte Ungeduld habe, bisich erfahre, daß Ihr gesund ankommen werdet sein, denn, liebeLouise, es ist mir recht bang für Euch. finde, daß es eine großeResolution ist, bei diesem Wetter und Jahreszeit sich auf diewilde See zu begeben. Von der falschen Zeitung von meinemSohn werde ich nichts mehr sagen, als daß es nicht die ersteLüge ist, so man auf ihm gesagt, und wird auch wohl die letztenicht sein. Meine Gesundheit ist gottlob all ziemlich gut,allein der Schrecken hat mich ein wenig zugesetzt und ich habeMühe, seitdem wohl zu schlafen, und die linke Seite hat sich wasgeblähet, wie es mir allemal geschieht, wenn ich Schrecken oderBetrübnis habe. Mein Doktor wollte mich gern mit dem Salzvon Epsom purgieren, aber die Wahrheit zu sagen, so habe ichnoch keine große Lust dazu, habe Mühe mich zu resolvieren. MeineKniee sind noch gar schwach, glaube nicht, daß sie jemals kuriertwerden werden. Die gute Frau von Rathsamhausen ist seitMittwoch Abend um zehn von Marly und gestern morgen mitder Landkutsche von Paris. Sie hat mir versprochen, ihrer Tochterzu schicken, was ich ihr gegeben habe. Ich habe Lenor ausge-filzt, daß sie so hart mit ihrer Tochter spricht, sie will's nichtmehr thun. Ich warte mit großem Verlangen, Bries von Euchvon London zu bekommen und zu hören, wie Euch König Jörgenwird empfangen haben und ob er freundlicher geworden, seit erKönig ist. Ich darf Euch nicht bitten, I. M. mein Komplimentzu machen, denn ich glaube nicht, daß ihm viel an mir gelegenist. Aber die Prinzeß de Galles bitte ich viel Schönes vonmeinetwegen zu sagen, denn ich habe sie recht lieb, ob ich sie zwarnicht persönlich kenne, denn ins. tsnts, unsre liebe Kurfürstin s.,hat mir allezeit so viel Gutes von I. L. geschrieben, daß ich sierecht ehre und estimire und eine rechte Vcncration vor sie habe.