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Briefe der Elisabeth Charlotte von Orléans 1673 bis 1715 / Ausgewählt, mit Einleitung und Anmerkungen versehen von Ludwig Geiger
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208 Briefe der Elisabeth Charlotte von Orlöans.

werden. Ich habe Euch schon berichtet, wie Monsieur Bennigsenund Monsieur Erff zu mir kommen sind, scheinen mir gar feineLeute zu sein. Ich erinnere mich noch, einen zu meiner Zeit zuCelle und zu Hannover gesehen zu haben. Der von Celle gabmir eine Uhr, so er selber gemacht hatte und die erste war, soich mein Leben gehabt habe; der andre war verliebt von derKammerjungfer Gibson, denn zu der Zeit hießen die Hofjungfernnoch nicht Fräulein; denn ich erinnere mich noch, daß man meineTante, Prinzessin Lisbeth von Hessen-Kassel, nicht anders alsFräulein Lieschen geheißen hat. Aber wovon ich rede ist längergelitten, als Ihr selber seid, denn es ist nun wohl 66 Jahr.Damit ich wieder auf die Schloßhauptmänner komme, deren Na-men mir entfallen sind, so spielte der von Hannover den ganzenTag Piquet mit Gibson. Die war eine Engländerin und sprachgar übel deutsch; wir liefen alle hin, sie spielen zu sehen, welchesrecht possierlich war. Wenn Gibson zählen wollte und 3 Knechtehatte, sagte sie als:Ich habe 3 Knoachte"; denn antworteteder Schloßhauptmann ganz ernstlich:3 achten gelten nicht imPiquet", und das sing allemal wieder an, so oft sie 3 Knechtehatte.

An dieselbe.

<184) Versailles, 25. Januar 1715.

(Abends)

Wir haben hier 14 Tage lang eine grimmigeKälte ausgestanden, seit gestern aber ist das Wetter aufgegangen.Es war Zeit, denn sonst wäre ganz Paris erfroren, denn wiedie Seine zugefroren war, hat man kein Holz bekommen, manhat sich drum geschlagen. Was aber am possierlichsten war, ist,daß man einander Stöcker Holz und Scheite wie ein Bijou zumneuen Jahr mit großem Dank geschenkt hat. Die londrische Lufthal allezeit vor gar bös passiert. Viele Leute wollen die pariservor gut passieren machen, allein vor mich ist keine schlimmere inder Welt; ich kann nicht 2 Stund in Paris sein, ohne die böseLust zu spüren. Ich habe allezeit wohl gedacht, daß Ihr Eng-lisch verstehet. Wie habt Ihr es zu Hannover negligiert? Dennzu Hannover waren doch allezeit Engländer, mit welchen Ihr Euchin dieser Sprache exerzieren können. Es ist gar gewiß, daßSprachen exerziert sein wollen, sonst hätte ich, glaube ich, längstmein Deutsch vergessen. Karoline hat Zeit genug gehabt, ihr