Vorrede.
XI
Vorlesung über deutsche Geschichte geschlossen; er ist demnach ge-schieden, wie ein Krieger, der unter seiner Fahne fällt, auf demEhrcnfeld seines mit unverbrüchlicher Treue erfüllten Berufs, nach-dem er sechszehn Monate mit wahrem Heroismus gegen ein letalesLeiden angekämpft. Eine Ahnung seines jähen Endes hat Häusserunsres Wissens in seinen letzten Tagen nicht ausgesprochen, wennauch Jeder, der ihm näher trat, angesichts seiner körperlichen Ge-brochenheit, sich versucht fühlen mochte, jede wehmüthig klingendeAeußerung wie den versteckten Ausdruck einer Todesahnung zudeuten; seinen Kollegen hatte er vielmehr beim Abschied die zuver-sichtliche Hoffnung ausgesprochen, er werde im nächsten Halbjahr,wenn er sich während der Osterferien in Ruhe ausgepflegt habe,seine Doppelarbeit auf dem Lehrstuhl wie in der Fakultät mit fri-schen Kräften wieder aufnehmen können, aber freilich weder dentief ergriffenen Amtsgenossen, die ihm zuletzt noch dankten für seinetapfere Ausdauer, noch den Zuhörern, denen er am Abend des 14.mit weich werdender Stimme ein warmes Lebewohl zugerufen hatte,war es zu verdenken, wenn sie sich trennten mit dem schmerzlichenGedanken, daß sie den Unvergeßlichen nicht wieder sehen würden.In seinem Abschiedswort an die zahlreiche Hörerschaft bezeichnete erdie Erquickung, die er selber aus dieser Vorlesung geschöpft, alsden lindernden Trost, der ihm über Schmerzen und Leiden hinweg-geholfen habe. Wer Häusser jemals gehört hat, der weiß, was da-mit gesagt ist, denn jeder einzelne Vortrag muß ihn überzeugthaben, daß dem Manne der akademische Lehrberuf „das Leben inseinem Leben" gewesen ist, und daß es ihm, wenn Einem, gegebenwar, über dem Vollgefühl einer Thätigkeit, in der er sich Meisterwußte, den Stachel des nahenden Todes zu vergessen.
Was Häusser als politischer Redner bedeutet hat, das weiß dieWelt seit dem Erfurter Parlament; was er als akademischer Lehrerwar, das wissen die vielen Hunderte deutscher Studirenden jedesFachs, die in den 27 Jahren seiner Lehrthätigkeit zu seinen Füßengesessen haben, aber nicht Viele außer ihnen. Darum möchten wir. hier am liebsten sein Bild festhalten, denn hier liegt das Feld, woer wohl einzig in seiner Art gewesen ist, und wo die rückhaltlose