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Ludwig Häusser's Geschichte der französischen Revolution : 1789-1799 / Herausgegeben von Wilhelm Oncken
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XII
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XII

Vorrede.

Anerkennung Dessen, was er leistete, den Wenigsten durch den Ein-fluß einer abweichenden politischen oder kirchlichen Parteiüberzen-gnng verkümmert wird. Freilich ist hier auch die Schilderung amschwierigsten, denn der Eindruck vollendeter akademischer Beredtsam-keit gehört zu den Dingen, die man nicht gut zerlegen und zerglie-dern kann.

Als wir bei Hausier deutsche Geschichte hörten, hatte sein Vor-trug bereits das Gepräge vollendeter Reife; aus den MittheilungenSolcher, die ihn bei Beginn seiner Laufbahn gehört hatten, ginghervor, daß diese Stufe das Ergebniß jahrelanger ernster Arbeit inBehandlung des Stoffes und der Sprache, die letzte Frucht gewis-senhafter Selbstprüfung und unermüdlicher Feile sein mußte, dennvon den mancherlei Schlacken, die sie noch gefunden haben wollten,fanden wir nicht die leiseste Spur mehr. Hausier hat sich wie einantiker Redner in seinem Berufe selber gebildet und wenn der Athletder Rednerbühne in späteren Jahren seineArbeit spielend zu verrichtenschien und mit keiner Andeutung mehr an die strenge Schule er-innerte, die er bei sich selber durchgemacht, so bezeugte das eben,schlagend wie nichts Anderes, den Triumph der Knust. Was istklassisch? fragt Cicero einmal und antwortet: Das was Jeder zukönnen meint und nur der Meister wirklich kann.

Hausier pflegte in den letzten Jahren viererlei Vorlesungenzn halten: im Winter deutsche Geschichte jbis 1815s undGeschichte des europäischen Staatenshstems von derReformation bis 1789; und im Sommer: Geschichte derfranzösischen Revolution und des Kaiserreichs s17891815s und Römische Geschichte, die ersteren drei nach gedruck-ten Grundrissen, die neben ausführlichen Literaturnachweisen einvollständiges und übersichtliches Gerippe des Erzählungsstofss ent-halten, und sämmtliche vier vollkommen frei, ohne irgend welcheäußere Unterstützung des Gedächtnisses. Die Vorlesungen über Rö-mische Geschichte und die über die drei letzten Jahrhunderte warenam wenigsten stark besucht; gleichwohl war die erstere eine vor-treffliche Arbeit, die letztere aber nach seinem eigenen Urtheil undnach dem aller Kundigen entschieden die beste, die er überhaupt