Borrede.
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gehalten hat. Es verdient dieser Umstand wohl, vor den Lesernder Protestantischen Kirchenzeitung, zu deren eifrigen Mitarbeiterner gehört hat, besonders hervorgehoben zu werden. Seine Dar-stellung der Reformation, und ihres Siegeszugs durch die abend-ländische Welt, die Charakteristiken Luther's, Zwingli's, Melanch-thon's, Calvin's waren meisterhaft; mit wahrer Andacht wurdensie gehört, denn hier offenbarte sich der ganze sittliche Ernst, mitwelchen: Häusser diesen gewaltigen Freiheitskrieg des modernenGeistes als die erste nationale Culturthat unseres Volkes und sei-ner Stammeszweige auffaßte. Wenn je eine Herausgabe seinesNachlasses nach dieser Seite hin möglich werden sollte, so müßtedieser Theil seiner Vortrage mit in erster Reihe stehen, er würde be-weisen, wie richtig einer seiner würdigsten Amtsgenossen einmal vonihm gesagt, an Häusser sei im edelsten Sinn des Worts ein Theo-loge verloren gegangen.
In unvergänglichem Andenken aber der weitesten Kreise, nichtbloß der akademischen Welt, werden die Winterabende haften, andenen Häusser die deutsche Geschichte, insbesondere in der zwei-ten Hälfte des Semesters die Geschichte der Freiheitskriege be-handelte. Da faßte der größte Hörsaal der Heidelberger Hochschuledie Menge der Besucher kaum; da saßen und standen Kopf an Kopfin athemloscr Stille Studirende aus allen Fakultäten und reifeMänner aus der Bürgerschaft und Beamtcnwelt der Stadt. DerVertrag, der hier eine unvergleichliche Meisterschaft über Stoffund Sprache verrieth, wirkte wie Selbsterlebtes auf die Menschenwirkt; die Beschreibungen der Feldzüge, die Charakteristiken der Ge-nerale und Staatsmänner, die Zeichnungen der Lage der Dingeund der Stimmungen der Gemüther — das Alles zog wie ein ma-jestätisches Drama voll der ergreifendsten Wirkung vorüber; er-schütternder sind die Katastrophen von 1806 und 1809 wohl nieauf einem deutschen Katheder geschildert worden, aber auch wärmer,begeisterter nie die Anfänge des Nenbaus unseres nationellen We-sens auf preußischem Boden und der Aufschwung des unvergeßlichenJahres 1813. Die Hörer athmeten auf, wenn Häusser bei dieserEpoche in seiner einfach schlichten Weise sagte: „Das sind Momente,