XIV
Vorrede.
die für Vieles entschädigen und viel Schmachvolles streichen ausunserer Geschichte," und bei der kunstlosen Schilderung dieser Er-hebung ohne Beispiel fühlten sie mit, was er meinte, wenn er hin-zusetzte, seit vielen Jahren erzähle er die deutsche Geschichte, aberdieser Theil seiner Aufgabe erfasse ihn immer und immer wiedermit demselben unvertilgbaren Zauber. Häusser's akademischer Ver-trag war sachlich in hohem Maße gewissenhaft; jede einzelne Dar-stellung ließ auch bei der strengsten Nachprüfung die solide gelehrteArbeit nirgends vermissen. Was den Vertrag als solchen auszeich-nete war genau dasjenige, was die Methode akademischer Lehre voneinem Buche unterscheiden muß, die planvolle Auswahl desStoffes, die richtige Perspektive der Darstellung, ohne dieein Lehrvortrag ungefähr dasselbe ist wie ein chinesisches Wandge-mälde, d. h. Alles, nur kein Bild. Daß Häusser national, politischund kirchlich sehr scharf geprägte Ueberzeugungen hatte, verriethsich auch dem studentischen Zuhörer, aber er gestattete ihnen keinentrübenden Einfluß auf den Charakter seiner Erzählung und denGeist seines Urtheils; es gilt nach dieser Seite von seinen Vorle-sungen dasselbe, was der jüngere Perthes jin seinem Buche: Po-litische Zustände und Personen in Deutschland während der fran-zösischen Herrschaft. S. 555s von dem seiner politischen und kirch-lichen Richtung entgegengesetzten Standpunkt des Häusser'schen Wer-kes über deutsche Geschichte gesagt hat: „nie ist durch denselben dieZuverlässigkeit thatsächlicher Angaben und selten die Gerech-tigkeit und Billigkeit des Urtheils geschmälert worden." Damitsteht keineswegs im Widerspruch, daß Häusser niemals um den Ruhmjener Art von Objektivität gebuhlt hat, die nur der bare Unver-stand verlangen und nur die völligste Selbsttäuschung zu besitzenvorgeben kann, wenn er auch nicht für nöthig fand, dies, wie seinLehrer, der alte Schlosser, zu thun pflegte, im Vorwort seinerVorlesungen ausdrücklich zu bemerken. Von der Sprache, der Re-deweise Häusser's, über die wir vorhin schon andeutungsweise ge-sprochen haben, würden sich Diejenigen eine ganz falsche Vorstellungbilden, die etwa aus den begeisterten Lobeserhebungen jugendlicherZuhörer aus etwas der Schönrednerei Verwandtes schließen wollten.