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Ludwig Häusser's Geschichte der französischen Revolution : 1789-1799 / Herausgegeben von Wilhelm Oncken
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XV
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Vorrede.

XV

Zhr entschiedenstes Unterscheidungsmerkmal war vielmehr das geradeGegentheil, eine musterhafte Schlichtheit in der Wahl der Worte,die von eitler Effekthascherei und gleißendem Phrasenslitter ledig-lich 'Nichts wußte.

Hausier wirkte mit den einfachsten Mitteln und legte sich da-bei eine Entsagung auf, zu der sich ein Kopf von so reicher Phan-tasie und so sprudelndem Humor selten versteht; den Pfauenschweifgesuchter Bilder und lang ausgesponnener Vergleiche, verschmähteer ebenso konsequent als den Apparat blendender Schlagwörter,dessen geschickte Verwerthung so oft mit wirklicher Beredsamkeit ver-wechselt wird.

Freilich war diese Sparsamkeit in Anwendung rednerischenSchmuckes nicht die Bescheidung des Armen, der aus der Noth eineTugend macht, sondern die haushälterische Weise eines begütertenMannes, der es unter seiner Würde findet, mit dem Parvenü inleerer Pracht zu wetteifern, aber am rechten Ort die rechte Gabestets zur Hand hat. Häusser beherrschte den ganzen Reichthum un-serer Sprache mit einer sicheren Geistesgegenwart, die nie fehl griffund der die feinste Schattirung des Gedankenausdrucks jeden Au-genblick zu Gebote stand. Die gedruckten Schriften Häusser's gebendavon ein sehr unvollkommenes Bild, die Breite der Sätze, in denenzuweilen derselbe Gedanke gewissermaßen wiederholt um seine Axekreist, ist den Hörern seiner Vortrage niemals zur Last, ja nichteinmal aufgefallen; jene verhalten sich zu diesen wie die dürrenBlätter eines Herbariums zu lebenden Pflanzen und wäre auchihre stilistische Vollendung bei Weitem größer als sie wirklich ist,sie könnten doch nicht wiedergeben, was die individuelle Farbe jederRede ausmacht, die Wärme des Tons, die Instrumentation derStimme, wenn wir so sagen dürfen.

In diesen! letzteren lag zu einem guten Theil das Geheimnißdes gewaltigen Eindrucks, den er als Redner machte; sein klang-volles männliches Organ schmiegte sich jeder, auch der flüchtigstenFärbung des Gedankens lebendig an, der Donner des Tribunen,wie die Schlichtheit des herodoteischen Erzählertons, vernichtenderSpott und spielender Witz, eines gab sich so natürlich und anspruchs-