Die alte französische Monarchie seit Richelieu und Ludwig XIV. 13
furchtbare Wunde», welche die Kriege geschlagen, das Nolk verarmt,die Bevölkerung verringert, das Heer nur noch ein Schatten desfrüheren.*) In der ganzen herrschenden Gesellschaft war ein Geistder Meuterei und Unzufriedenheit, eine aus Unsittlichkeit und fri-voler Jmpictät gemischte Verachtung der bestehenden Ordnung undihrer Träger, die in Europa ohne Beispiel war. Dazu war seineFamilie ausgestorben und das Alles mußte er einem Urenkel von5 Jahren hinterlassen. Noch war er nicht beerdigt, da ward be-reits sein Testament umgestoßen und der ihm persönlich verhaßteNeffe Philipp von Orleans übernahm die Regentschaft. Die Re-gierung Philipps und seines Dubais vollendete den sittlichenBankrott der Krone und des Hofes und fügte mittelst des Law-schen Bankschwindels den wirthschaftlichen Bankrott der Nationhinzu. Oft genug wurde jetzt gefragt, wie lange wird es dauern,bis der Staat zusammenbricht? Es dauerte noch zwei Mcnschen-alter bis er wirklich zusammenbrach. Welche Erbschaft der UrenkelLudwigs XIV. seinem Enkel hinterließ, davon später.
*) Bei Ausbruch des Krieges von 1688 wies Vauban dem MinisterLouvois nach, daß in Folge der Conversioncn Frankreich seit 5 Jahren um100,060 Einwohner und 60 Millionen Capital ärmer geworden, daß der Handelruinirt, die fremden Flotten um 9000 der ^besten Matrosen des Königreichs,die fremden Heere um 600 Offiziere und 12,000 der kriegswichtigsten Soldatenreicher geworden seien. S. Element.
Bon der Verarmung entwirft derselbe Gewährsmann ein grauenerregen-des Bild: beinahe der zehnte Theil der Nation ist am Bettelstab und betteltwirklich, von den neun andern sind fünf nicht im Stande, Jenen Almosenzu geben, von den vier anderen sind drei in einer gedrückten Lage, oft mitSchulden und Processen überhäuft und der Rest, zu dem er die Leute desDegens und der Robe, die Geistlichen, den Adel, die Beamten, die guten Kauf-leute, die vermögenden Bürger rechnet, umfaßt nicht mehr als— 100,000 Fa-milien. Vauban verlangt Reformen in der Finanzverwaltung und will dasarme Volk retten aus den Klauen der Armee von Pächtern und Unterpächternmit ihren Commis jeder Art, dieser Staatsblutegel, deren Zahl hinreichendwärs, die Galeeren zu füllen, die aber nach taufend verübten Schurkereien inParis umhergehen, als hätten sie den Staat gerettet. Man berechnete, daß dieEinbringung von 30 Millionen Steuern dem Staate 60 Millionen Ausgabenund den Eigenthümern einen Schaden von 80 Millionen verursache.