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Ludwig Häusser's Geschichte der französischen Revolution : 1789-1799 / Herausgegeben von Wilhelm Oncken
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Einleitung, tz. 2.

haft religiöse Empfindung zu Grunde lag, so wars auch nicht diesittliche Entrüstung über die Heuchelei, welche die Gegner der mitniedergeschlagenen Augen einherwandelnden Sittenlosigkeit in Har-nisch brachte; in diesen Salons war man gottlos und ruchlos zu-gleich, man trug seine Ungläubigkeit zur Schau und spottete dererlogenen Gläubigkeit des Hofes und verbarg dabei gar nicht, daßman in Sachen der Sittlichkeit ebenso locker dachte als Ludwigund sein Hof. Ein Franzose äußert sich darüber in unübersetzbarenWorten: iis krusuieut In äöbuuekie uvee äslilmtvsse, ils kron-ckriient UV66 Mittz et proksruisut lo blu8pii6m6 avtzv Aruoe.

In diesen Kreisen wars, wo Voltaire zuerst das Leben undsein Talent kennen lernte.

Voltaire ist geboren am 2V. November 1694 zu Paris.*) Dieersten Bücher, die ihm sein Pathe, der Abt Chateauneuf, in dieHand gab, um ihn lesen zu lehren, enthielten unzüchtige und ir-religiöse Gedichte. Als Schüler der Jesuiten im vollere Tonis 1sxrunä that er sich bereits durch seine Schelmenstreiche, aber auchdurch seinen eminenten Verstand hervor: Vou8 sorox löteuckuickäu ckeimue en Tiuuve, sagte der P. Lesah schon damals zu ihm.Ninon de l'Enclos wandte dem begabten Jüngling ihre Gunst zuund vermachte ihm 2000 Frs. Er sollte die Rechte studiren, ver-ließ aber bald die trockene Jurisprudenz und lebte ganz der Poesie.Sein Pathe führte ihn in die frivolen Kreise der Prinzen undvornehmen Priester ein und hier zeichnete er sich neben' einemPrinzen Conti, einem Herzog v. Vendome, einem Herzog v. Sullh,Abt Chaulieu, Servien u. A. aus. Hier eignete er sich das un-begrenzte suvoil' vivi'v und 8uvoir kuiro, jene Feinheit im Umgangmit Vornehmen an, die ihm zeitlebens geblieben ist und hier erfuhrauch sein junges Talent die erste Anerkennung und Ermunterung.

Bereits als fünfzehnjähriger Knabe fiel er auf durch die ge-würfelte Leichtigkeit seines Versbaues, die Ungezwungenheit dersprachlichen Form, eine erstaunlich kurzathmige Berdauungskraft ingeistigen Dingen; dabei war Alles, was er brachte, frisch, jugend-lich, ursprünglich, ohne den welken Zug der gealterten Hauptstadt.

Eine Reform der Sitten mit sittlichem Ernste anzugreifen,

*) Mach dem neuerdings aufgefundenen Taufschein, Hettner: Literatur-gesch. II. 134.)