Voltaire <1694—1778,.
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dazu war diese Schule nicht angethan, aber die Art von Virtuo-sität, die in ihrem Kreise zu erlangen war, die hat Voltaire imhöchsten Grade ausgezeichnet. Die flüchtige Grazie des leichtenGedichts und des leichten Liedes (in den poosios ku^itivss), dersprudelnde Humor, die höchste Anmuth der Sprache, der kecke Wurfdes 68prit und dabei ein gewisser gesunder Sinn für nüchterneBetrachtung der Dinge, ein praktisches Geschick, die wirklichen Ver-hältnisse zu erfassen, der französische don sons, der sich nicht leichtirre machen läßt und selbst wenn er Gefühle an den Tag legt,doch gefühllos und verständig bleibt und selten von einer jähenEmpfindung sich fortreißen läßt — dieses Element hatte Niemandin höherem Maße inne als Voltaire. Hinzu kam eine seltsameArt von Bildung und Leben bei diesem Manne, der in den ver-schiedensten Verhältnissen herumgeworfen war, unendlich viel ge-lebt, gesehen und gelesen und dabei in der That ein ausgesproche-nes Talent für das Verschiedenartigste an den Tag gelegt hatte;wohl war es nur die glänzende Vielseitigkeit eines reproducirendenTalentes, kein schöpferischer Kopf, der Bahnen verzeichnet fürJahrhunderte und doch für alle Gebiete schriftstellerischen Schaffensvon bedeutendstem Einfluß: ein Mann, der ohne selbst Neues, Ur-sprüngliches hervorzubringen, auf den verschiedensten Sätteln ge-recht war und mit einer wunderbaren Beweglichkeit des Geistesbald da bald dort sich versuchte, nicht überall der Meister blieb, aberdoch überall einen Ton anschlug , der so rasch nicht wieder verklang.
Kein Name ist schwärzer gezeichnet worden in der Literaturdes 18. Jahrh, als der seine und wo man ihn nicht persönlichfassen konnte, da wollte man ihn wenigstens in Verruf bringenfür alle Zukunft, und doch reicht aller Ruhm aller Dichter allerZeiten nicht an den Platzregen von Triumph und Lobpreisung,der über Voltaire ausgeschüttet worden ist. Ein großer Theil Eu-ropas bewunderte in ihm den Propheten einer neuen Lehre vonFreiheit und Menschenwürde, in diesem Sinne hat die jugendlicheRevolution der ersten Tage ihn in ihr Pantheon gestellt, und dochist nichts widerspruchsvoller als sein Charakter und sein literari-sches Gebühren. Derselbe Mann, der bis in seine letzten Tagebereit ist, Unglücklichen zu helfen und mit eigener Gefahr armerVerfolgter sich anzunehmen, hat ein ander Mal sich unsäglicheMühe gegeben, bei einer Pompadour zum Handkuß zugelassen zu