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Ludwig Häusser's Geschichte der französischen Revolution : 1789-1799 / Herausgegeben von Wilhelm Oncken
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Einleitung. §. 3.

Genußsucht oder Frivolität, sondern aus Mangel an geistigerRührigkeit und Gewöhnung zur Arbeit. In den gefährlichstenAugenblicken seiner Monarchie ist er nicht verbotenen, aber leicht-sinnigen Dingen nachgegangen; in seiner Schlosserwerkstatt hat erarglos gehämmert, während sein Thron zusammenzustürzen drohte.

Wir beurtheilen ihn gern nach dem Eindruck, den seine Hal-tung in den letzten Tagen seines Regiments auf uns macht. Da,als er zu ringen hatte um sein Leben, tritt die Stärke seinesWesens, ein gewisser passiver Heldenmuth, zu Tage; er beugt sichnicht zu unwürdigen Dingen, bleibt ruhig und kalten Blutes in-mitten der tobenden Leidenschaft, spricht zu seinen Richtern mit„kaiserlicher Kürze", geht entschlossen dem Tode entgegen, nicht wieein Held, aber wie ein Märtyrer. — Diese letzten Tage sind aller-dings geeignet, unser Urtheil zu bestechen, aber diese Größe imLeiden und Dulden war denn doch nicht das, was- einen Thronunter solchen Umständen konnte behaupten und retten helfen. Lud-wig konnte groß sterben, ohne daß das Urtheil der Geschichte überdie namenlose Schwäche seines Regentenlebens sich zu verändern hätte.

Ludwig XVI. brachte Nichts auf den Thron als gute Ab-sichten, das Wohl des Volks, das Glück Frankreichs zu begründen;wie er dabei verfahren müsse, war ihm freilich nicht klar. Einedunkle Ahnung sagte ihm, daß es so nicht bleiben könne, wie eswar; aber das war auch Alles, bei jeder praktischen Frage schaukelter zwischen widersprechenden Einflüssen, kann heute das Beste,morgen das Schlechteste wollen, immer in dem guten Glauben,daß er auf der richtigen Spur sei.

An seiner Seite stand die Tochter Maria Theresia's, MarieAntoinette, damals blühend in Schönheit und Jugend: mehr Mann,als ihr Gemahl, mehr angelegt, die Majestät des Thrones zu ver-treten und mehr befähigt zu einem politischen Willen, aber dochnicht die Persönlichkeit, die ihn wirklich geleitet und inspirirt hätte,die der Geist seiner Politik gewesen wäre oder hätte sein können.

Auch sie war ein unerfahrenes, leichtfertiges Kind, auch siespielte und tändelte in einer furchtbaren Zeit, auch sie handelteganz nach augenblicklichen Launen und Einfällen. Es gibt Mo-mente in ihrem späteren Leben, wo man glaubt, sie rafft sich zu-sammen zu einem großen Entschluß, da stört sie irgend eine per-sönliche Abneigung und sie bleibt stehen auf halbem Wege. Sie