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Ludwig Häusser's Geschichte der französischen Revolution : 1789-1799 / Herausgegeben von Wilhelm Oncken
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Graf Mirabeau's Vergangenheit.

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gelten; für seine Bauern war er in der That ein Menschenfreund,sie waren besser versorgt, als die meisten andern ZinsbauernFrankreichs. Von sich selber sagt er: „Wie schwerfällig und steifich auch aussehen mag, ich predigte mit 3 Jahren, mit 6 war ichein Wunderkind, mit 12 ein hoffnungsvoller Knabe, mit 20 einHitzkopf, mit 30 ein theoretischer Politiker, mit 40 bin ich nurnoch ein guter Kerl."

Neben den Eigenschaften, welche ihn in die Ferne nicht bloßals bedeutend, sondern auch als liebenswürdig erscheinen ließen,hatte er alle die Züge wildert, unbändigen Wesens, die in seinemHause von jeher heimisch waren. Er war von einer fürchterlichenHeftigkeit des Zorns, von unbelehrbarem Eigensinn, völlig unfähig,irgend welchen Widerspruch zu ertragen und dabei von einer jähenSinnlichkeit erfüllt und verführt.

Der „Menschenfreund", der so vortreffliche Abhandlungenschrieb über humane Behandlung der Bauern, war in seinemeignen Hause das Gegentheil seiner Lehren; der freundliche Herrseiner Vasallen war ein Thränn seiner Familie, mißhandelte Frau,Kinder und seine ganze Umgebung aus barbarische Weise, war imStande, seiner Leidenschaft zu Liebe das ganze Lebensglück seinerFamilie auf's Spiel zu setzen. Dazu kam, daß der für sich spar-same, ja geizige Herr, für seine ökonomischen Lehren ein Ver-schwender, sich mit kostspieligen Experimenten verspecnlirt, großeVerluste gehabt hatte, sich das aber in seinem rechthaberischenEigensinn nicht eingestehen wollte; lieber sollte seine Habe, alsseine Lehre zu Grunde gehen. Er war auch nicht so reich, alsman glaubte, sein ganzes Leben rang er mit Bedrängnissen, dieer der Welt zu verbergen suchte. Dabei hatte er früh Häuslich-keit und Ehe vernachlässigt; wir finden eine Person im Hause, dieseine Maitresse ist, und die Marquise scheint auch eine trotzige,eigensinnige, leidenschaftlich aufbrausende Südländerin gewesen zusei». Jenes Verderben, das in alle höheren Kreise der französi-schen Gesellschaft anfing einzudringen, die Zerstörung aller derBande, welche das Heiligste im Staat und im Hause zusammen-halten, war hier so heimisch als irgendwo. Ein jähzorniger Va-ter, eine heißblütige Mutter, die die Kinder gegen den Vater auf-hetzt, und eine Maitresse, die zwischen beiden intriguirt — daswaren die Elemente dieser wie so mancher andern vornehmen