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Ludwig Häusser's Geschichte der französischen Revolution : 1789-1799 / Herausgegeben von Wilhelm Oncken
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Einleitung. K. -1.

Häuslichkeit in dem Frankreich jener Tage. Alls solchen Verhält-nissen wuchs der Graf Mirabeau heraus.

Am 9. Mär; 1749 ward dem Marquis als fünftes Kindund erster Sohn Gabriel Honor« geboren. Was wir von seinemHeranwachsen und den Zuständen der Mirabean'schen Häuslichkeitwährend seiner Jugend wissen, erfahren wir aus dem Briefwechseldes Marquis mit seinem Bruder, dem Malteser oder Bailli deMirabeau. Der Letztere, eine durchaus edle, wohlwollende Natur,zeigt, was aus einem Mirabeau werden konnte, wenn er durch dieSchule des Lebens gezüchtigt und gebildet war. Er ist die liebens-würdigste Erscheinung in der ganzen Familie.

Gegen das Kind scheint der Vater früh eine gewisse Abnei-gung gehabt zu haben. Der Kleine, der in der Wiege seine Ammeschlug, konnte noch nicht viel gethan haben, was den Vater ärgerte;aber möglich ist, daß der Anblick der furchtbaren Blatternarben,welche das Gesicht schon des dreijährigen Knaben verunstalteten,den alten Vater immer wieder von Neuem gegen den Stammhal-ter verstimmte, wenigstens nennt er ihn „häßlich wie den Teufel".Das „Fratzengesicht" zeigte übrigens die ungewöhnlichsten geistigenTriebe und Anlagen. Er lernte mit wunderbarer Leichtigkeit, ver-schlang Alles mit unersättlicher Lern- und Wißbegierde, und zwarnicht, um es nachzuplappern oder im Gedächtniß aufzuspeichern:was er in sich aufnimmt, wird verarbeitet und kombinirt; „erhat," sagt der Vater, „eine Art Straußenmagen, er kann Allesklein kriegen." Die Urtheile des Vaters über den heranwachsenden Sohn schwanken zwischen den seltsamsten Widersprüchen; daranist einmal die launenvolle Natur des Ersteren, dann aber auchder unheimliche Eindruck schuld, den die sich entfaltenden Charakter-züge des Letzteren auf Jenen machten. Der junge Graf versprachein ganzer Riquetti zu werden, und der alte war gegen keine Feh-ler unerbittlicher als gegen die, welche der Sohn mit ihm gemeinhatte. Bald ist ihm dieser ein „verdrehter, fanatischer, wüthen-der, unfügsamer Kopf, der zum Schlimmen neigt, ehe er es nochkennt und ehe er dessen fähig ist", bald hat er „ein stolzes Herzunter einem Kindcrwamms, einen seltsamen Instinkt von Selbst-gefühl, das übrigens edel angelegt ist; ein verworrener Prahlhans,der die Welt verschlingen möchte, ehe er noch 12 Jahre alt ist";und dann wieder ist er „platt und niedrig"; heute rühmt er au